Allmählich beginnt die Osterpause das Bonner Getümmel mildtätig zu dämpfen. Kaum ein Politiker, der die dreiwöchige Unterbrechung der Parlamentsarbeit nicht herbeigesehnt hätte. Wird die Alltagshektik noch durch Affären und Spannungen angeheizt, verwandelt sich die Volksvertretung schnell in einen Unruheherd und eine gewaltige Gerüchteküche.

So verhielt es sich in der letzten Woche, als die Vermutungen Füße bekamen, Herbert Wehner steuere mit seinen bohrenden Fragen zu den Lauschaktionen und seinen Auslassungen über personelle Konsequenzen womöglich eine neue große Koalition oder gar die Rückkehr der SPD auf die Oppositionsbänke an.

‚Am Ende war der sozialdemokratische Altmeister selber erschrocken über die Wirkung, die seine Worte, gerade auch im Regierungslager, taten. Unverzüglich begann er eine Gegenkampagne.

Inoffiziell wurde verbreitet, seine Äußerungen sollten die Koalition aus ihren düsteren Meditationen hochschrecken, sie zu neuer Aktivität anstacheln und verhindern, daß das Bündnis an den Abhöraffären langsam dahinsieche. Und offiziell hieß es in zahllosen neuen Interviews, daß man an der Koalition unverändert festhalte; und daß sie wieder Tritt fassen werde, weil es zu ihr unter innen-, erst recht unter außen politischen Aspekten keine Alternative gebe. "Das meine ich, das will ich, dazu stehe ich." Brandt und Bahr zogen mit gleichem Tenor nach.

Dennoch, so recht gefestigt und wieder aufgerichtet haben die sozial-liberalen Abgeordneten Bonn nicht den Rücken gekehrt. Wanzen, Hessenwahl, Juso-Krach, dazu das Bündel der alten Probleme, von den Renten über die Kernenergie bis zur anhaltenden Arbeitslosigkeit – das war und ist zu knüppeldick, als daß es nicht betäubend wirkte. Mehr faustisch als österlich gestimmt, meditierte ein Parlamentarier: "Vom Eise befreit sind weder Regierungsstrom noch Koalitionsbäche, und im Tale grünet noch kein Hoffnungsglück."

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Nach dem Wunsch der SPD und FDP soll sich der Bundestagsausschuß für innerdeutsche Beziehungen demnächst in ein akademisches Seminar verwandeln. Koalitionsabgeordnete haben eine öffentliche Anhörung von namhaften Juristen, Politologen, Historikern und Publizisten zur Deutschlandpolitik beantragt, um die Ausschußarbeit zu "versachlichen".