Lehrer sollen die Persönlichkeiten unserer Kinder entfalten, sie sollen sie zu mündigen Staatsbürgern erziehen, und sie sollen möglichst auch das noch ausbügeln, was im Elternhaus schiefläuft. Lehrer sollen sich aber auch einordnen in einen hierarchischen Beamtenapparat, sollen Verwaltungsakte ausführen, die am grünen Tisch erdacht wurden, und bildungspolitische Kompromisse ausbaden. Wer diesen Konflikt zwanzig Jahre und länger durchstehen will, ohne sein pädagogisches Engagement zu verlieren, dem mag schon mal angst und bange werden vor der Gefahr, in Resignation und Verdrossenheit zu enden.

Bündelt man die Aussagen, die uns von Schülern, Eltern und Lehrern zugegangen sind, so kommt eines dabei deutlich heraus: Die Schule macht zu viele grundlegende Fehler. Die Schüler sprechen von Nötenterror und die Eltern von einer Überforderung ihrer Kinder.

Und nun die Lehrer. Ihre Kritik ist ebenso massiv: Sie fühlen sich falsch ausgebildet – zu sehr als Fachwissenschaftler und zu wenig als Pädagogen. Der ständige Klassenwechsel und zu große Klassen führen zu Anonymität. Der Lehrer als wichtige Bezugsperson für die Schüler – dieser Anspruch entpuppt sich im Schulalltag als leeres Gerede.

Das Leben in der Schule gleiche dem Leben auf einer künstlichen Insel. Wenn man sich auf die neuen Mathematikbücher verließe, schreibt eine Lehrerin, könnte es leicht passieren, daß die Kinder beim Kaufmann an der Ecke über’s Ohr gehauen werden.

Im Brennpunkt steht die Schule, und die, die tagtäglich in ihr arbeiten und von ihr abhängig sind, lassen kaum ein gutes Haar an ihr, jedenfalls nicht in den zahlreichen Briefen, die sie uns geschrieben haben. Was andere, die an dem, was in der Schule geschieht, dazu sagen, werden wir in den nächsten Ausgaben veröffentlichen.

Margrit Gerste