Von Jens Friedemann

Einst profitierten sie von Inflation und Krisen. Heute zählen sie sich zu den Prügelknaben des Landes: die Haus- und Wohnungseigentümer. Für den Präsidenten des Zentralverbandes der deutschen Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, Theodor Paul, sind die Mietengesetze daran schuld. Sie würden kostendeckende Sätze nicht zulassen. Massive Kritik erntet Bonn auch bei den gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaften: "Man scheut sich nicht, die Gebühren für Müllabfuhr, Wasser und Licht zu erhöhen. Nur bei der Miete hat man Bedenken."

Während Wohnungseigentümer der Regierung vorwerfen, sie sei ihnen feindlich gesonnen und würde Hausherren durch das Mieterschutzgesetz praktisch bestrafen, rüsten sich andere für ein Bombengeschäft mit alten Wohnungen. Sie nutzen die derzeit noch günstigen Preise. "Es ist wie an der Börse", meint Renatus Rüger, Chef einer der größten privaten Wohnungsgesellschaften aus Köln, "dort steigen die Leute auch immer erst ein, wenn die Kurse längst gestiegen sind."

Daß auch der Immobilienmarkt zyklische Boom- und Rezessionsphasen durchläuft, verspüren Haus- und Wohnungseigentümer an ihren Geldbörsen. und sich im Bauboom der vergangenen Jahre hoch verschuldete und teure Objekte zu Superzinsen verschuldete zahlt drauf. Die Miete deckt die Kosten nicht. Wer heute Die gegen ausgewählte Objekte erwirbt, profitiert gegen nur von den niedrigsten Zinsen seit Jahren. Bonn überschüttet ihn mit einem Schwall von Steuergeschenken (siehe Kasten).

Wohnungsexperte Rüger: "Wenn wir irgendwo 50, 100 oder 500 Wohnungen oder gar eine Gesellschaft mit Altbaubeständen kaufen können, dann tun wir das." Er tat es. Durch einen heimlichen dann sencoup riß er jüngst die Mehrheit einer der ältesten deutschen Aktiengesellschaften an sich, der.Langenbrahm AG in Essen. Sie besitzt wertvollen städtischen Grundbesitz und rund 2000 Bergmannswohnungen.

Bei Hypothekenzinsen um sieben Prozent und erheblichen Steuervorteilen durch begünstigte Modernisierungsmaßnahmen verbleiben "heute schon Renditen zwischen acht und zehn Prozent. Das", so Rüger, "ist für den Immobilienmarkt ungeheuer gut." Steigende Baupreise und der neue Trend "zurück in die Städte" machen die modernisierte Stadtwohnung zu einem attraktiven Anlageobjekt. Obendrein lassen sie sich in Eigentumswohnungen umwandeln, für die der Erwerber erstmals Grundsteuerbefreiung und die erhöhte Abschreibung nach Paragraph 7 b Einkommensteuergesetz erhält. Ein gutes Geschäft für Käufer und Verkäufer.

Während Wohnungsspekulanten bereits auf den nächsten Boom setzen, haben Hausbesitzer, die falsch finanzierten oder zu teure Objekte erwarben, die Nase voll von Immobilien. Neben extrem hohen Zins- und Tilgungslasten stolpern sie über rechtliche Barrieren bei der Mieterhöhung. Zwar dürfen nachgewiesene Betriebskostenerhöhungen ohne Formalitäten auf die Mieter abgewälzt werden. Etliche Hauswirte vergaßen jedoch, die Zahlung im Mietvertrag zu vereinbaren. Sie zahlen aus eigener Tasche und können nur hoffen, daß die Mieter einer allgemeinen Mieterhöhung zustimmen.