Breschnjews Skizze einer Lösung für den Nahostkonflikt: Annäherung an Carter

Von Andreas Kohlschütter

Kairo, im April

Es gibt keine andere Gegend der Welt mit so vielen Widersprüchen wie den Nahen Osten", klagte im Sommer 1971 ein ebenso prominenter wie desillusionierter Sowjetkommentator. Es sei kaum möglich, so fügte er hinzu, "in diesem unruhigen Gebiet den vorherrschenden Trend auszumachen". Bleibt es dabei, oder sieht die Kreml-Führung heute klarer?

Damals waren im Nahen Osten gerade die fetten Jahre der Sowjetunion zu Ende gegangen. Nassers Tod im September 1970 war Höhepunkt und Wendepunkt zugleich.

  • Anwar el-Sadat, der Erbe am Nil – an dessen mit massiven sowjetischen Finanzmitteln gestauten Wassern ein jubilierender Chruschtschow 1964 Ägypten als sozialistischen Staat besungen und gepriesen hatte –, steuerte unverzüglich auf Westkurs und schaltete den kapitalistischen Rückwärtsgang ein.
  • Hafez Assad, der Machtusurpator in Damaskus – dessen stürmische, linksradikale Vorgänger aus Syrien ein von Breschnjew abgesegnetes "arabisches Nordvietnam" hatten machen wollen –, ging zugleich gegenüber Moskau auf Distanz, trat auf die ideologische Bremse und schickte palästinensische wie panarabische Revoluzzer in Quarantäne.
  • Die "anti-imperialistische Einheitsfront", die von Algerien über Ägypten, Syrien bis zum Irak und zur PLO straff und stramm zusammengehalten hatte und die Ministerpräsident Kossygin noch 1966 en bloc mit dem sozialistischen Lager zu verkuppeln hoffte, stürzte wie ein Kartenhaus in sich zusammen.

Sowjetische Geländeeinbuße