Der britische Manager ist finanziell übel dran. Er ist demoralisiert und "demotiviert", wie das neueste Schlagwort im Sprachschatz seiner Interessenvertreter lautet. Die Statistiken zeigen es, und die Umfragen bestätigen es. Das Realeinkommen (netto und nach Berücksichtigung der Inflation) ist in den letzten drei Jahren um über zwanzig Prozent gefallen. Keine andere Gruppe habe so große Opfer gebracht, klagt die Industrievereinigung CBI – und so wenig Anerkennung dafür gefunden. Der britische Manager ist zu Hause "ungeliebt und vergessen" (CBI-Generaldirektor John Methven). In Europa muß er sich wie der arme Vetter vorkommen. Kontinentale Gehälter für vergleichbare Positionen sind weit höher.

In einem Land, das sich eine "ständige Kommission zum Studium der Verteilung von Einkommen und Vermögen" leistet und überhaupt mehr an der Verteilung als an der Schaffung des Wohlstandes interessiert scheint, sind auch Klagen über das traurige Los der Manager (und "der Reichen" ganz allgemein) nicht neu. Aber das Konzert ist lauter und die Tonart bitterer geworden. Einmal verschärft sich der Streit schon deshalb, weil der Kuchen schrumpft. Zum andern hat die Dreierkombination von nivellierender Lohnpolitik, Inflation und Besteuerung der Managerklasse besonders harte Schläge versetzt.

Das Opinion Research Centre sammelte bei hundert Unternehmen 400 000 Mark, um die wirtschaftliche Lage und Motivation einer Personengruppe zu erkunden, die ganz generell als "Management" umschrieben wird, vom Meister bis zum Direktor reicht und der insgesamt etwa 1,1 Millionen Beschäftigte in der britischen Industrie angehören.

Die Ergebnisse fielen erwartungsgemäß alarmierend aus. Wenn die Befragung repräsentativ ist, sehen 275 000 Manager keinen Sinn mehr in einer Beförderung, weil der Finanzminister vom zusätzlichen Einkommen zuviel wegnimmt. Etwa 200 000 reduzieren ihren Arbeitseinsatz auf das unbedingt Notwendige – wohl auch deshalb, weil sie Zeit für Nebenarbeiten gewinnen wollen, um so ihr Einkommen aufzubessern.

Die Studie vermittelt das Bild von frustrierten, verunsicherten Managern, die oft weniger an ihre Aufgabe als an das Problem denken, wie sie den Beitrag zur Bausparkasse oder das Schulgeld für ihre Kinder bezahlen sollen, zugleich aber zusätzliche Anstrengungen scheuen, weil sich dies finanziell nicht auszahlt. "Viele halten ihren Kopf nur über Wasser, indem sie Ersparnisse angreifen, die Frau arbeitet, das Auto verkauft wird, Ausgaben für Essen, Kleidung, Heizung eingeschränkt werden", heißt es in dem Bericht.

Kein Wunder, daß schon hunderttausend Manager Erkundigungen über Arbeitsmöglichkeiten außerhalb der Insel eingezogen haben, und von denen, die den Sprung gewagt haben, die meisten selbst Angebote großer britischer Konzerne zur Rückkehr ablehnen.

Der Chemiekonzern ICI hat mittlerweile zweihundert Führungskräfte in – ausländischen Tochtergesellschaften, die mehr verdienen als Direktoren im Londoner Vorstand. Bei der Hotelgruppe Grand Metropolitan beziehen die vier höchstbezahlten Direktoren netto zwischen 48 000 und 51 000 Mark. Vierzehn Angestellte im Ausland kommen netto auf 70 000 bis 165 000 Mark. "Die Position unserer britischen Direktoren ist erbärmlich im internationalen Vergleich", klagt Hotel-Boß Maxwell Joseph.

Ganz ohne Echo ist das Klagelied der Manager jedoch nicht geblieben. Labour-Schatzkanzler Denis Healey, der vor vier Jahren noch "die Reichen" quetschen wollte, "daß sie vor Wut aufheulen", hat nun Steuersenkungen versprochen, durch die "die Reichen" mehr begünstigt, werden als "die Armen". Der Steuergewinn ist gering. Aber der Managerschmerz dürfte zum erstenmal seit vielen Jahren etwas Linderung erfahren: