Von Gerhard Seehase

Paul Breitner, der weg will von Real Madrid, wird auf dem deutschen Fußballmarkt mit Sicherheit nicht unter einer Million Mark "weggehen". Das Geschäft mit Fußball-Profis ist hart; denn die Spieler wissen selbst sehr genau, was sie wert sind. Und besonders genau weiß das ein cleverer Profi wie Paul Breitner, der nach seinem goldgepflasterten Transfer von München nach Madrid nun wieder zurück will an den reichgedeckten Tisch der deutschen Fußball-Bundesliga.

Für den HSV war er zu teuer; Eintracht Braunschweig blieb – dank eines kalkulierfreudigen Mäzens aus der Getränkebranche – weiterhin im Gespräch. Die Frage: Kann ein einzelner Spieler überhaupt soviel wert sein? Die Antwort lautet offensichtlich "ja". Denn auf dem internationalen Fußballmarkt werden derartige Summen bezahlt. Und das, obwohl sich die sportliche Leistung eines hochdotierten Stars gegenüber der jeweiligen Neunzig-Minuten-Darbietung eines schlechter bezahlten Mannschaftskollegen gar nicht verrechnen läßt. Bezahlt wird nicht nur Leistung, sondern auch das Image. Peter Krohn hat recht: Bundesliga-Fußball ist eine Mixtur aus Leistung und Show.

"Ich bin davon überzeugt", sagte HSV-Manager Peter Krohn, "die Hamburger hätten ein ‚feeling‘ gehabt für einen Mann wie Breitner, der von Real Madrid kommt. Und ich meine, ein Breitner wäre in Hamburg mehr wert als ein Breitner etwa in Braunschweig. Ich will damit sagen, daß das Publikum Akzente setzt. Wenn der HSV in der entscheidenden Phase auf dem ersten Tabellenplatz gestanden hätte wie diesmal lange Zeit die Braunschweiger, ich hätte hier sozusagen, jeweils morgens und nachmittags eine Vorstellung machen können. Aber die Braunschweiger hatten als Tabellenführer im Heimspiel gegen Karlsruhe nicht einmal 20 000 Zuschauer auf den eigenen Rängen."

Die Fußball-Bundesliga geht in die entscheidende Phase. Die Frage nach den Absteigern ist – fast – schon beantwortet: Tennis Borussia, Rotweiß-Essen, 1. FC Saarbrücken. Meister wird – die Frankfurter und die Schalker mögen’s dem Chronisten verzeihen – entweder Borussia Mönchengladbach oder Eintracht Braunschweig. Aber wer in der nächsten Saison bei wem spielt, das ist zur Zeit die viel größere Frage.

Der Fußballmarkt verlangt zweifellos einen reibungslosen Umschlag von Idolen. Die Masse braucht einen Helden, mit dem sie sich zu identifizieren vermag. Ein Kämpfertyp wie Uwe Seeler, der selbst nach seinem Rücktritt über Jahre hinaus das Mittelstürmer-Image des HSV prägte, war in Hamburg nicht zu ersetzen. Und man rief hier noch nach "Uwe-Uwe", als der gute Uwe Seeler längst nur noch in Prominentenmannschaften für Wohltätigkeitszwecke kickte.

Krohn: "Wie lange haben wir gebraucht, um einen ‚spielenden‘ Mittelstürmer wie Reimann hier in Hamburg durchzuboxen."