Wenn Reiseveranstalter mit kinderfreundlichen Angeboten werben, sind die Aussichten nicht immer so rosig, wie die Slogans es versprechen.

Kinderservice zu Mini-Preisen" – "22 000 im Reisepreis eingeschlossen!" "Freireisen für die Kleinen!" – "Kindersonderermäßigung bis zu 80 Prozent". So und ähnlich lauten die Werbeschlagzeilen, mit denen Deutschlands Ferienfirmen in ihren bunten Katalogen den scharf kalkulierenden Eltern einen kostengünstigen Urlaub mit dem Nachwuchs versprechen. So manch gut-Nachwuchs Erwachsener merkt oft erst beim Buchen, wie viele Einschränkungen den lockenden Offenen entgegenstehen.

Die Staffelung der Kindersonderermäßigungen nach verschiedenen Reisezeiten, die Kapazität hinter einer Billigofferte, die Anzahl der Flugtermine für ein hochprozentiges Rabattangebot, die vorgeschriebene Anzahl der begleitenden Erwachsenen und die Art der Unterbringung (eine Zustell-Liege im Zimmer der Eltern, ein Erwachsenen-Bett oder sogar ein Extra-Zimmer für die jüngsten) relativieren großspurige Werbeparolen.

Eltern, die einmal versucht haben, für sich und die schulpflichtigen Zöglinge eine preisgünstige Pauschalreise zu finden, kennen das Problem zur Genüge: Denn pünktlich mit dem Beginn der Schulferien lösen sich die meisten Sonderermäßigungen in Nichts auf. Auch bei der Auswahl des Reiseziels stoßen Väter und Mütter immer wieder auf unliebsame Überraschungen in den Katalogen: Spartarife gibt es für die kleinen Touristen längst nicht überall.

Doch nicht nur die Zahl der Zielgebiete mit Kindersonderermäßigung ist in den Pauschalprogrammen begrenzt; auch die Anzahl der Nutznießer unterliegt raffinierten Restriktionen. Kinderreiche Familien wurden in den meisten Werbeofferten vergessen.

Unter der Überschrift "So sparen Sie Geld" bei Dr. Tigges-Reisen beispielsweise finden Eltern von zwei, drei oder sogar vier Zöglingen verblüfft den Hilfweis, daß ein Kind von zwei bis elf Jahren bei der Unterbringung im Zimmer von zwei Erwachsenen in verschiedenen Hotels Ermäßigungen von 15 bis 50 Prozent erhalte. Umfangreichen Nachwuchs honorieren nur wenige Reiseveranstalter durch uneingeschränkte Sonderermäßigungen (wie zum Beispiel Gut-Reisen oder TransEuropa).

Das Thema "Kindersonderermäßigung" rangiert selbst bei Fachleuten der Branche unter den schwer zu durchschauenden Kalkulationsgeheimnissen. Welche Ferienfirma darf wirklich mit Recht das Attribut "kinderfreundlich" beanspruchen? Wo steckt ein reelles umfangreiches Kapazitätsangebot hinter den Werbeparolen? Um einen fairen Leistungsvergleich vorzunehmen, dürfen nämlich nicht nur die Höhe der generellen Kinderermäßigung von 15 beziehungsweise 20 Prozent und eine zum Teil bis 100 Prozent reichende Sonderermäßigung für Zwei- bis Elfjährige herangezogen werden; man muß die ganze Breite des Angebots in all seinen Dimensionen berücksichtigen. Und dabei stoßen Prüfer auf erstaunliche Schaumschlägerei.