Selbst der berühmte Großonkel, hätte Schwierigkeiten gehabt, die auswärtige Kulturpolitik der Deutschen wieder flottzumachen. Und ihm, dem Kanzler des Deutschen Reiches, sagte man immerhin jene eiserne Härte nach, die ein deutscher Kulturmanager jetzt nötig hätte, um sich durchzusetzen gegen bürokratische Trägheit, parlamentarisches Desinteresse und ökonomische Zwänge. Der Großneffe Klaus von Bismarck, ehemals Intendant des WDR, letzte Woche zum Präsidenten des Goethe-Instituts gewählt – weiß er, worauf er sich eingelassen hat? Wissen es die, die ihn gewählt haben?

Wo immer man hinkommt in der Welt, gelten die Deutschen als fleißig, diszipliniert und reich – zivilisatorisch, ein bißchen unterentwickelt, in den Künsten und Wissenschaften ein bißchen provinziell. Um mit Hilfe seiner 113 Auslandsinstitute die uns vielleicht doch als wünschenswert erscheinenden Korrekturen an diesem Bild anzubringen, hat das Goethe-Institut einen Veranstaltungsetat, der inzwischen auf 19 Millionen Mark (von 99 Millionen insgesamt) geschrumpft ist – weniger, als ein einziges großes Opernhaus braucht. Und die Tendenz ist: weiterhin schrumpfend. Vor anderthalb Jahren wurde dem Deutschen Bundestag der mit Millionenkosten hergestellte "Bericht der Enquete-Kommission Auswärtige Kulturpolitik" übergeben. Er ist bisher noch nicht einmal diskutiert worden. –

Willy Brandt hat, unvergessen, die Kulturpolitik einmal die dritte Säule der deutschen Außenpolitik genannt. Sie ist ziemlich lädiert. Säulenheilige helfen da nicht. Klaus von Bismarck wird die Kraft einer Karyatide brauchen. Leo