Von Hermann Bößenecker

Es war einmal ein Zwerg, der von einem Riesen abstammte. Und dieser Zwerg ärgerte seinen Vater, wo er konnte. Er zupfte und rupfte ihn, bis es dem Riesen schließlich zu bunt wurde. Er schlug zurück. So kann man in der schlichten Form der Märchenerzähler die nüchterne Meldung des Computergiganten IBM kommentieren, daß ein neuer, leistungsfähigerer und billigerer Großrechner auf den Markt kommen wird und daß gleichzeitig die Preise der laufenden Serie in der Bundesrepublik bis zu 20, in den USA bis zu 30 Prozent gesenkt werden.

Der Riese: IBM mit einem Jahresumsatz von über 16 Milliarden Dollar und einer phantastischen Gewinnquote von 14,7 Prozent vom Umsatz. Seit der Erfindung der elektronischen Rechner hat der in Armonk (New York) beheimatete Konzern mindestens jeden zweiten in aller Welt installierten Computer geliefert.

Der Zwerg: Die Amdahl Corp. in Sunnyvale (Kalifornien) mit einem Jahresumsatz von 93 Millionen Dollar, von denen letztes Jahr knapp 12 Millionen Dollar Gewinn blieben. Das Unternehmen hat bisher 37 Großrechner ausgeliefert. 1970 schied Gene M. Amdahl, der heute 54 Jahre alt ist, bei IBM aus, wo er die Abteilung "Fortgeschrittene Computer-Systeme" geleitet hatte. Er gilt als der Vater der berühmten Computer-"Familie" 360, mit der IBM der Datenverarbeitung weltweit zum Durchbruch verholfen hat.

In seiner neuen Firma entwickelte er einen Größtcomputer, der dank moderner Halbleitertechnik mindestens 50 Prozent schneller ist als vergleichbare Konkurrenzprodukte. Mit einem Kaufpreis von 4,5 Millionen Dollar wurde er zudem bisher billiger angeboten. Dabei sparte sich Amdahl die Zeit und die Mühe, eigene Betriebssysteme (Software) und Peripheriegeräte zu entwickeln; den Kunden wird empfohlen, sich diese von IBM zu besorgen.

Ein Sprecher des auf Computerberatung spezialisierten Unternehmens John Diebold meinte denn auch, der Amdahl-Rechner sei "sozusagen ein nackter Jumbo mit Dressuranweisungen von IBM". Und Eugene R. White, Präsident der Amdahl Corp., rühmte jüngst, daß dieses Konzept dem Unternehmen zu bemerkenswerten Anfangserfolgen überwiegend im Kundenkreis des Computer-Giganten verhelfen hat. "Mit einem Handgriff kann unser Großrechner direkt an IBM/Betriebssysteme, -Programme und -Peripheriegeräte angeschlossen werden." Im EDV-Jargon spricht man da von einem "plug-compatible-manufacturer", einem Hersteller, dessen Produkte per Steckdose mit denen eines Produzenten zusammengeschaltet werden können.

Um den Konkurrenzkampf mit IBM bestehen zu können, suchte Amdahl Mitkämpfer. Er fand den japanischen Elektronikkonzern Fujitsu, der sich mit 29 Prozent beteiligte und inzwischen auch eigene Betriebssysteme für Amdahl-Rechner entwickelt hat. Neben der amerikanischen Venture Capital-Gruppe Edgar F. Heizer (24 Prozent Beteiligung) ist mit fünf Prozent auch der Deutsche Heinz Nixdorf dabei, selbst ein Senkrechtstarter der Computerbranche und mit seinem Paderborner Unternehmen Konkurrent von IBM.