Von Roland Gerber

Der Taxichauffeur am Frankfurter Hauptbahnhof schaut etwas irritiert. ZAV in der Feuerbachstraße? Dann fährt er los; zur Feuerbachstraße ist es ja nicht weit. Als er in den hufeisenförmigen Hof an der schmalen Straße im ruhigen Westend einbiegt, weiß er Bescheid: Ach so, das Arbeitsamt. Das ist ihm ein Begriff. Die, "Zentralstelle für Arbeitsvermittlung" kennt er nicht; er wird sie auch kaum brauchen.

Eine ganze Reihe anderer Leute allerdings, die die ZAV brauchen oder eigentlich kennen sollten, sind genauso ahnungslos wie jener Frankfurter Droschkenfahrer: Für fast die Hälfte aller bundesdeutschen Personalchefs ist die ZAV kein Begriff; Allensbacher Volksbefrager haben es herausgefunden. Studenten und Hochschulabsolventen kennen sich da schon besser aus. Die brauchen nämlich die Frankfurter Vermittlungsstelle viel eher, wenn sie heute eine Anfangsstellung finden wollen. Vor ihren Anfragen kann sich die ZAV heute kaum retten.

Trotzdem, der Taxifahrer kennt sich aus. Dort, wo heute die ZAV residiert, wirkte bis 1974 tatsächlich das hessische Landesarbeitsamt. Die ZAV zog dort erst ein, als sie gerade zwanzig Jahre geworden war. Bei der Geburtstagsfeier verriet Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit in Nürnberg (BA), wie die ZAV zu betrachten sei: als eine besondere Dienststelle der Bundesanstalt. "Kein. Superarbeitsamt, sondern eine Institution, die für Bewerber tätig wird, die auf Grund ihrer besonderen Ausbildung und ihrer qualifizierten Berufspraxis auf einen überregionalen Arbeitsmarkt angewiesen sind."

Warum nun aber gerade der Standort Frankfurt und nicht bei der Mutter in der Frankenmetropole? Nun, meint ZAV-Direktorin Lieselotte Höhborn, Frankfurt als Wirtschaftszentrum und Verkehrsdrehscheibe bot sich an. Es liegt auf dem Weg von Nürnberg nach Bonn, auf halber Strecke zwischen Stingl und Ehrenberg.

Als die ZAV am 1. September 1954 in ein paar gemieteten Büroräumen neben dem Eschenheimer Turm mit dem Vermittlungsgeschäft anfing, waren 49 Mitarbeiter dabei. Sie verteilten sich auf vier Abteilungen: die Akademikervermittlung, die Auslandsvermittlung, den "Bundesausgleich von offenen Stellen und Bewerbergesuchen" und die Redaktion des "Zentralen Stellen- und Bewerberanzeigers" (seit 1970 "Markt + Chance").

Heute sorgen in dem drei-, sechs- und dreizehngeschossigen Gebäudekomplex an der Feuerbachstraße 433 ZAV-Mitarbeiter, davon laut Organisationsplan 127 Vermittler, dafür, daß Deutschlands qualifizierte Arbeitnehmer im Geschäft bleiben. Die Zahl der Abteilungen ist inzwischen auf sieben angewachsen: