Sehenswert

"The Stranger" von Orson Welles kommt mit 31jähriger Verspätung nach Deutschland. Nicht ohne Grund: Im Mittelpunkt steht ein fanatischer deutscher Nazi und gesuchter Kriegsverbrecher, der kurz nach dem Krieg in einer idyllischen amerikanischen Kleinstadt untergetaucht ist. Der Spürsinn eines FBI-Agenten (Edward G. Robinson) und eine beträchtliche Portion der 1946 in Hollywood beliebten Doit-yourself-Psychologie bringen ihn zur Strecke. Welles selber spielt lustvoll den "Fremden", eine jener überlebensgroßen, dämonischen Figuren, die man aus vielen seiner Filme kennt. Auch die expressive Verve der mit ausgefeilten Licht-Effekten operierenden Inszenierung hat nichts von ihrer suggestiven Kraft verloren. Dennoch gehört "The Stranger" nicht zu den Hauptwerken von Orson Welles. Zumal das Drehbuch ist allzu durchsichtig und schematisch konstruiert. Hans C. Blumenberg

Mittelmäßig

"Der Marathon-Mann" von John Schlesinger, einem international schon immer überschätzten Regisseur, den effekthascherische Inszenierungs-Tricks allemal mehr interessieren als Figuren und Geschichten. Hier legt sich Schlesinger mit dem ohnehin auf atemlose Effekte angelegten Bestseller "Marathon Man" von William Goldman an und potenziert mit schicksinnlosen Bildkompositionen und einer hektischen Schnitt-Technik noch dessen Ungereimtheiten. Trotz der guten Schauspieler (Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider) schafft dieses Verfahren keine Spannung, sondern nur lähmende kunstgewerbliche Konfusion. HCB

"Cassandra Crossing" von George Pan Cosmatos. Ein pestverseuchter Terrorist (Lou Castel) im Transcontinental-Expreß Genf–Stockholm ist der Anlaß, daß im Erster-Klasse-Abteil ein Aufgebot internationaler Stars (Richard Harris, Sophia Loren, Ava Gardner, Lee Strasberg, Alida Valli, Martin Sheen) ein gutes Dutzend Mini-Dramen abspulen kann: nach dem Muster "Menschen im Hotel", diesmal auf Schienen. Derweil debattieren im Genfer Weltgesundheits-Gebäude eine besorgte Ärztin (Ingrid Thulin) und ein skrupelloser amerikanischer Sicherheitsoffizier (Burt Lancaster), wie sich die Katastrophe aufhalten läßt. Sie ist nicht aufzuhalten! Denn die Produzenten Wolfdieter von Stein und Carlo Ponti wollen ihren Film als "europäische Antwort auf die amerikanischen Katastrophenfilme" verstanden wissen. Diese kontinentale Variante unterscheidet sich von den Beispielen amerikanischer Provenienz vor allem durch die Tatsache, daß der Begriff "Katastrophe" hier nicht nur den Inhalt, sondern auch die Inszenierung treffend charakterisiert.

Helmut W. Banz

Empfehlenswerte Filme

"Bierkampf" von Herbert Achternbusch. "Rocky" von John G. Avildsen. "Der letzte Tycoon" von Elia Kazan. "Lagado" von Werner Nekes. "Schwarzer Engel" von Brian de Palma. "Mahler" von Ken Russell.