ZEIT: Wollen Sie die Fernsehübertragung einschränken?

SCHMITT-VOCKENHAUSEN: Es lohnt sich, darüber nachzudenken. Ich frage mich, ob die ausgewogene Zusammenfassung, die das Fernsehen abends, bringt, nicht die normale Form der Berichterstattung sein könnte. Dabei würde – nebenbei – auch mancher Redner gerechter behandelt.

ZEIT: Unterliegen die Parteien da nicht einem Mißverständnis, als ob sie mit diesen Parolen die Wähler von ihrer Sache überzeugen und für den Parlamentarismus gewinnen könnten?

SCHMITT-VOCKENHAUSEN: Das weiß niemand so genau. Und weil man es nicht so genau weiß, trägt man lieber etwas zu dick auf, und man nutzt jede Chance, die das Fernsehen bietet. Da wird mit dem Finger gezeigt und mit schneidender Stimme erklärt: "Die Millionen am Fernsehapparat sehen jetzt, wie Sie sich benehmen." –

ZEIT: Sie geratenjetzt in die Nähe eines großen und umstrittenen Parlamentariers: Herbert Wehner. Sein Urteil über das Parlament klingt sehr skeptisch. Teilen Sie diese Skepsis?

SCHMITT-VOCKENHAUSEN: Ich sehe das nicht so düster. In einem Punkt aber mache ich mir Herbert Wehners Sorgen voll zu eigen: Das Parlament leistet zwar in der Gesetzgebungsarbeit Hervorragendes; es erfüllt auch in gewissem Umfang die Kontrollfunktion gegenüber der Regierung. Aber es ist nicht gelungen, den Bundestag zu dem zu machen, was er eigentlich sein müßte: Mittelpunkt der geistig-politischen Auseinandersetzung in diesem Lande.

Das Gespräch führte Rolf Zundel