Im vergangenen Jahr sind an Nord- und Ostsee 33 Menschen ertrunken. In den letzten 25 Jahren hat die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) 44 323 Menschen vor dem Ertrinken gerettet; ein nicht unerheblicher Teil der Einsätze galt der Hilfeleistung im Watt.

Wattwanderungen – eine der beliebtesten und gesündesten Ferienaktivitäten von See-Urlaubern. – sind weit gefährlicher als sich viele vorstellen. Bei diesen Spaziergängen, die durch das vom Meer während der Ebbe freigelegte Land gehen, kennen viele Wanderlustige nicht das Risiko, das durch die Kraft und Plötzlichkeit der zurückkommenden Flut entsteht.

Fremde unterschätzen vor allem die Gefahr der Priele – natürliche Wattbäche, durch die der Ebbstrom abläuft und durch die die Flut zurückkömmt. Allzuoft wird dem Wanderer der Rückweg bei Einsetzen der Flut durch reißende Priele, die Durchmesser und Tiefe von zwei bis drei Meter haben können, abgeschnitten. Auch ein guter Schwimmer hat dann keine Chance mehr.

Die Verkehrsämter und Kurverwaltungen von Orten mit Wattstränden veröffentlichen immer wieder Sicherheitsvorschriften und Warnungen. Prinzipiell gilt, daß der Fremde größere Wattwanderungen nur mit einem kundigen Führer machen sollte. Zumindest muß er sich bei Einheimischen genau nach den besonderen Gegebenheiten des Watts erkundigen, und das auch dann, wenn er die Wattlandschaft anderer Gebiete kennt; denn die Wattbeschaffenheit der Strände ist sehr unterschiedlich (Senken, Priele, Löcher, Muschelfelder, Steilkanten).

Flutkalender (erhältlich in Fremdenverkehrs- und Kurverwaltungen) und Uhr gehören zu den unabdingbaren Utensilien des Wattläufers, der sich auf seiner Wanderung unter allen Umständen an die markierten Wege halten muß; Abkürzungen sind im Watt nie der bessere Pfad.

Bei starken westlichen Winden ist höchste Vorsicht geboten, das Wasser läuft dann nicht weit genug ab und kehrt früher wieder zurück. Besonders gefährlich sind Wattwanderungen bei Nebel und Dunkelheit.

Natürlich sind kurze Spaziergänge, die sich auf die unmittelbare Küstenzone beschränken, nicht gleich mit Lebensgefahr verbunden. Aber auch überschaubare Strecken sind oft risikoreicher als der Urlauber denkt. Zum Beispiel lassen sich in Cuxhaven viele Wattwanderer von dem verhältnismäßig nahen Ausflugsziel Insel Neuwerk locken. Die elf Kilometer lange Strecke kann auch ein guter Fußgänger nur in zwei bis drei Stunden zurücklegen, da Wasserläufe und Priele umgangen oder durchwatet werden müssen. Obwohl die Kurverwaltung vor dem Hin- und Rückweg in einer Ebbzeit warnt, wird dieser Versuch immer wieder unternommen. Auf dieser gefährlichen Strecke (1976 mußten die Rettungsboote 40mal ausfahren) sollte man sich einem Führer oder Wattwagen (es gibt einen Fuhrwerksverkehr zwischen Cuxhaven und Neuwerk) anvertrauen.