Die Genfer Rohstoffkonferenz ist geplatzt.–und das ist das Beste, was ihr passieren konnte. Für diese wenig diplomatische Feststellung gibt es zwei wichtige Gründe: Erstens sind die Pläne zur Errichtung von Rohstofflagern und Finanzierungsfonds, auf die sich die Entwicklungsländer versteift haben, vom Ansatz her falsch und drohen die Fehler der europäischen Agrarpolitik weltweit zu wiederholen. Zweitens sind die gemeinsamen Resolutionen, mit denen normalerweise das Scheitern von internationalen Konferenzen verkleistert wird, höchst gefährliche Papiere, weil jeder herauslesen kann, was ihm in den Kram paßt.

Die Welthandelskonferenz von Nairobi hatte eine solche Resolution des lieben Friedens wegen verabschiedet – und nun pochen die in der "Gruppe der 77" zusammengeschlossenen Staaten der Dritten Welt darauf, daß die vagen Absichtserklärungen in die Tat umgesetzt werden. Doch davor scheuen nicht nur die sogenannten Progressiven unter den westlichen Industrieländern zurück. Auch der Ostblock zeigte sich in Genf – wie immer, wenn es ans Zahlen geht – sehr reserviert.

Wir müssen mehr als bisher für die Dritte Welt tun. Wer glaubt, daß die Forderungen der Entwicklungsländer auf die Dauer einfach abgeschmettert werden können, gibt sich Illusionen hin. Aber, wenn wir schon Opfer bringen, dann müssen sie auch ihren Sinn erfüllen und nicht nur irgendwelche Technokraten oder Ideologen befriedigen. mj