Jeden Tag um 463 Gramm leichter

Von Brigitte Zander

Problemlos schlanke Zeitgenossen verfolgen die ersten Symptome mit Verblüffung. Doch Eingeweihte aus dem Kreis der vielen Dicken wissen Bescheid, worum es geht, wenn im Frühjahr rundliche Schreibdamen in den Büros verbissen in einem Töpfchen Magerjoghurt rühren, wenn kugelbäuchige Mittvierziger zum Arbeitsessen nur eine Schale Grünzeug bestellen und gewichtige Hausfrauen statt am Kuchen (... aber mit Sahne ...) heroisch an Möhren knabbern. Die Hochsaison des alljährlichen Kampfes gegen störende Fettpolster um Hüfte und Bauch hat begonnen.

Bei dem Bemühen, sich zum Auftakt der Badehosenzeit besonders dünne zu machen, richten sich die einen nach dem primitiven Rezept "FdH" – Friß die Hälfte, die anderen folgen dem vornehmeren Aufruf "IdR" – Iß das Richtige. Manche schwören auf sogenannte Wunderkuren mit einseitiger Eier-, Sherry-, Pampelmusen-, Fett- oder Steakdiät; die nächsten trimmen sich in modernen Foltersalons; und die letzten Übergewichtigen setzen ihre Hoffnungen auf Appetitzügler und Abführmittel. Doch:

Als wirksamstes Mittel gegen die üppig wuchernden, ungesunden Pfunde propagiert einer der bekanntesten bundesdeutschen Ernährungswissenschaftler, der Ulmer Professor Dr. med. Hans Ditschuneit, die Nulldiät. Der Mediziner, der als Chefarzt an der dortigen Universitätsklinik die Abteilung für Stoffwechsel- und Ernährungswissenschaften leitet, setzt seine fettsüchtigen Patienten rigoros auf Wasser – ohne Brot. Im Gegensatz zu einigen Kliniken, Spezialsanatorien und Kurlaubs-Offerten aber, wo zum "Hilton"-Tarif nichts zu essen serviert wird, besteht Hans Ditschuneit nicht auf Bettruhe. An Stelle der üblichen stationären Fett-Zehr-Therapien plädiert der prominente Ulmer "Hunger-Experte" für ambulantes Total-Fasten. Die klinische Testphase mit 500 ambulant betreuten Versuchspersonen wurde jetzt abgeschlossen.

Hundert Tage ohne Nahrung

In seinem Erfahrungsbericht über die ersten umfassenden, vier Jahre dauernden Forschungsabschnitt, im "freien Fasten" resümiert Professor Ditschuneit: "Zur Einleitung einer Gewichtsreduktion eignet sich für organisch gesunde Fettsüchtige am besten die Nulldiät über zwei bis sechs Wochen. Sie kann bei ärztlicher Untersuchung mit Kontrolle von Kreatinin, Harnsäure, Kalium und Blutdruck im achttägigen Abstand durchaus ambulant durchgeführt werden. Die wichtigste Maßnahme besteht in der Sicherung einer Trinkmenge von drei Litern täglich."