Erlebnisse und Überraschungen auf einer Mietwagenfahrt durch West-Malaysia

Von Torsten Ingman

Singapur, auf den ersten Blick: der alte Osten kommt unter die Spitzhacke. Die morschen Holzhäuser von Chinatown passen angeblich nicht zur Gartenstadtfassade einer dynamischen Welthandelsmetropole. Die Straßen sind breit und sauber, die Stadt ist groß und grün und keimfrei.

Singapur, auf den zweiten, dritten und vierten Blick: noch immer exotisch, unbegreiflich fremd, bunt, verwirrend, schön, großartig – zwischen den gewaltigen Hochhäusern, in den Einheitsblock der Sozialwohnungen und manchmal sogar mitten auf den Boulevards.

Beim Fest der neun himmlischen Kaiser werden Medienpriester (Priester als Medium) durch die gepflegten Großstadtstraßen geschleppt. Medien, die von Kaisern oder vom dritten Prinzen, von Göttern oder Dämonen besetzt sind, Medien, die sich schwere Kugeln mit Nadeleisen auf den Rücken schlagen, Medien, die sich die Brust mit Schwertern ritzen und den Gaumen mit langen Nadeln durchbohren.

Miß Lucy, Eurasierin wie aus einem Abenteuerfilm, schön, langbeinig und adrett im knallroten Dienstkostüm, bringt uns den Mietwagen vor die Tür des King’s Hotels. Ein paar Unterschriften, einige Instruktionen – dann geht’s los mit ein wenig Unsicherheit: in Singapur und in Malaysia wird links gefahren und rechts gesteuert.

Auf der Ausfallstraße nach Norden, zur großen Brücke, die die Insel Singapur von der Halbinsel Malacca trennt, bekommen wir den Wagen gut in den Griff. Der Toyota ist unproblematisch, Schaltfehler und andere Schnitzer zu Anfang der Reise nimmt er nicht übel. Wir lassen zunächst die Klimaanlage ausgeschaltet, kurbeln statt dessen die Scheiben nach unten. Erst am dritten Tag, versuchen wir uns an die unnatürliche Kälte der air condition zu gewöhnen, lassen sie auf der untersten Stufe leise surren.