DIE ZEIT

Hart, weil schwach?

Frankreich hat unter Giscard d’Estaing dem gaullistischen Anspruch auf exklusive Führung in Westeuropa abschwören müssen, Deutschland trachtete unter Helmut Schmidt vergeblich danach, die Europäische Gemeinschaft der stabilitätspolitischen Räson zu unterwerfen.

Mit Volldampf in den Fehlstart

Der sowjetische Außenminister Andrej Gromyko hat in den rund zwanzig Jahren seiner Amtszeit eine einzige Pressekonferenz in Moskau abgehalten.

Muttel im Kraal

Hätte es bloß im Spiegel gestanden, es fiele vielen leichter, die Story als lästiges Phantasieprodukt abzuschütteln. Aber auch die ehrenwerte Süddeutsche Zeitung, über den Verdacht erhaben, sie habe es ausschließlich auf Wanzen und sonstige Lausigkeiten abgesehen, wußte ähnlich Befremdendes zu berichten über Marie Schlei, ihres Zeichens Entwicklungsministerin zu Bonn und derzeit auf Bildungsreise in Afrika.

Gesegnetes Scheitern

Die Genfer Rohstoffkonferenz ist geplatzt.–und das ist das Beste, was ihr passieren konnte. Für diese wenig diplomatische Feststellung gibt es zwei wichtige Gründe: Erstens sind die Pläne zur Errichtung von Rohstofflagern und Finanzierungsfonds, auf die sich die Entwicklungsländer versteift haben, vom Ansatz her falsch und drohen die Fehler der europäischen Agrarpolitik weltweit zu wiederholen.

Ein Bismarck für Goethe

Selbst der berühmte Großonkel, hätte Schwierigkeiten gehabt, die auswärtige Kulturpolitik der Deutschen wieder flottzumachen.

Worte der Woche

"In Sambia war Frau Schlei die Frau der Woche, sie hat allen die Show gestohlen, und die Sambianer haben den geradezu rührenden Versuch unternommen, den Besuch des deutschen Ministers in den gleichen Rang zu setzen wie die Podgorny-Staatsvisite.

Zeitspiegel

Oppositionsführer Helmut Kohl will nach Ostern schlank ins parlamentarische Gefecht zurückkehren. Er ist nach Schruns zur Kur und hofft, einige Kilo in Vorarlberg zu lassen.

England: Lib-Lab für einen Sommer

Wozu Selbstmord begehender Tod kommt sowieso. Nach dieser Devise haben Labour und Liberale in England ihren Pakt geschlossen, und die verlorene Nachwahl in Birmingham-Stechford hat ihn besiegelt.

Italien: Kommt die Krise nach Ostern?

Allzu gedämpft klang der Paukenschlag, um an die "Wende" glauben zu lassen, die er einleiten sollte: Der kommunistische Parteichef Berlinguer verkündete letzten Sonntag als Leitartikler der Unitá, daß die seltsame Koalition der Stimmenthaltungen, die seit August 1976 das Land nur (aber immerhin) halbwegs regierbar macht, zwar "eine positive Funktion hatte, doch heute abgenutzt ist".

Neue Wunderwaffe

Die Abrüstungsgespräche zwischen US-Außenminister Cyrus Vance und seinenm sowjetischen Kollegen Andrej Gromyko sind vermutlich in erster Linie an der Angst der Russen vor einem neuentwickelten amerikanischen Waffensystem gescheitert: den "Cruise Missiles".

BONNER BÜHNE: Warten auf Streit

FDP-Bundesgeschäftsführer Günter Verheugen, in Genschers Schule Profi der politischen Öffentlichkeitsarbeit geworden, hat schnell begriffen, womit er in seinem Amt Schlagzeilen machen kann.

Zwist der Jungdemokraten

Nach den Jungsozialisten sind nun auch die Jungdemokraten in eine offene Krise geraten. Der bisherige Vorsitzende Hannspeter Knirsch trat zurück.

DOKUMENTE ZUR ZEIT: "...Eine billige Methode"

Jetzt wird in den USA die Darstellung verbreitet, wonach die Vertreter der USA bei den Verhandlungen in Moskau ein großes Abrüstungsprogramm unterbreitet hätten und die sowjetische Führung es nicht akzeptiert habe.

"Ich muß Sie mahnen!"

Meine Damen und Herren, bevor ich die Sitzung schließe, darf ich noch einmal auf Punkt 7 der heutigen Tagesordnung zu zurückkommen.

Fouls wie beim Fußball

Ein ZEIT-Gespräch mit Bundestagsvizepräsident Hermann Schmitt-Vockenhausen über parlamentarischen Stil

München: Kronprinz im Wartestand

So deutlich hatte er es bisher noch nie gesagt: "Wenn der bayerische Ministerpräsident sein Amt vor Ablauf dieser Legislaturperiode einem Nachfolger übergeben will, dann bin ich der erste Bewerber dafür.

Stuttgart: Auf dem Band ins Hohe Haus

Baden-Württembergs Volksvertretung wird immer dicker und schwerfälliger. Sie platzt aus allen Nähten. Die 1961 fertig gewordene gläserne Voliere zwischen Staatstheater und Stuttgarter Schloß ist für die 120 Abgeordneten und die 117 Bediensteten zu klein geworden.

Bamberg: Bei den Hörnchen alles in Butter?

Neben Bier und Barock verbürgt ein Mürbegebäck die Lebenslust der Bamberger, das "Bamberger Hörnla". Von ihm zeugt die einheimische Volksweisheit: "A Kaffee ohne Hörnla is wie a Kuß ohne Schnörrnla.

Ruhe da draußen

Richter lieben es ruhig. Besonders die Amtsrichter in Lehrte. In Lehrte soll ein neues Schulgebäude errichtet werden. Die Planer liebäugeln mit dem Canterschen Park.

Hannover: Schlappes Herz aus Beton

Armes Hannover, was soll aus dir noch werden!" Barsch ging Herbert Röhrig in einem Brief an seine Zeitung mit der Stadt ins Gericht.

Mangelware Vertrauen

Die Nervosität wächst. Lange Zeit ist die hohe Arbeitslosigkeit von der Bevölkerung mit großer Ruhe und von den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften mit Besonnenheit ertragen worden.

Ein frecher Zwerg lebt gefährlich

Es war einmal ein Zwerg, der von einem Riesen abstammte. Und dieser Zwerg ärgerte seinen Vater, wo er konnte. Er zupfte und rupfte ihn, bis es dem Riesen schließlich zu bunt wurde.

Bonner Kulisse

So schnell läßt das von Werner Maihofer geführte Bundesinnenministerium von seinem Bestreben, auch ein Ministerium für Beamte zu sein, nicht ab.

Heinz Blüthmann über Arzneimittelkosten: Ärzte: Am eigenen Ast gesägt

Mangel an Fleiß wirft kaum jemand den gut 50 000 deutschen Kassenärzten vor, wenn es um ihre "schriftlichen" Leistungen geht, eher, daß sie des Guten zuviel tun: Eine halbe Milliarde Rezepte haben sie alle zusammen im letzten Jahr ausgestellt und darauf für 9,8 Milliarden Mark Arzneimittel zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verschrieben; stets zum Wohlgefallen der Pharmaindustrie, nicht ganz so häufig zum Wohle der Patienten.

Buchhandel: Für dumme Linke

Der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift Kursbuch ist ein Prospekt des "Wohlthat’schen Buchhandels" in Berlin beigefügt worden. Er enthält ein Angebot, das sehr geschickt für den speziellen Leserkreis der Zeitschrift, die linken Intellektuellen, zusammengestellt wurde.

Italien: Pyrrhussieg der Gewerkschaften

Die Verhandlungen um den Kredit des Weltwährungsfonds über 530 Millionen Dollar an Italien fanden in Wirklichkeit nicht mit der Regierung, sondern zwischen den Gewerkschaften und dem Fonds statt.

Lehrstellen: Seelenmassage für Lehrherren

Das Problem werden wir lösen", meint Rolf Raddatz, Berufsbildungsexperte beim Deutschen Industrie- und Handelstag (DIHT), zuversichtlich, und Hans Günter Patzig, Sprecher des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, ist optimistisch, "daß die Betriebe mitziehen".

US-Banken: Wenn Super-Henry kommt

Oh Henry, ob Henry, du hast ‚das Loch im Eimer‘ schnell gestopft", dichtete ein New Yorker Banker freihändig, als die Kunde von Kissingers neuesten Berufsplänen die Runde machte.

Alfred C. Toepfer: Drohung mit dem Exodus

Die Körperschaftsteuerreform hat bei Alfred C. Toepfer, Chef der größten europäischen Getreidehandelsfirma mit einem Umsatz, der konsolidiert an zehn Milliarden Mark herankommt, das Faß zum überlaufen gebracht.

Vorteile vom Staat

Aus Mangel an geeigneten Grundstücken im innerstädtischen Bereich haben sich die Bürger immer mehr an den Rändern der Städte und Gemeinden angesiedelt.

Fluchtkapital: Danaergeschenk für Eidgenossen

Die Eidgenossen durften sich wundern. Fünfzig Berner Parlamentarier aus Bürgerkreisen stießen, so schien es, in das gleiche Horn wie vordem nur Ausländer und linke Systemveränderer.

Firmen und Fakten

Unter diesen Umständen kam der Vorstand nicht an dem Eingeständnis vorbei: "Der Jahresabschluß ist als gut zu beurteilen." Gleichwohl werden die Aktionäre – wie im Vorjahr – wieder acht Mark Dividende erhalten.

Nur wenige Favoriten

Rendite ist auch bei den Aktien Trumpf. Wer heute von Rendite spricht, meint in erster Linie die Barrendite, bestenfalls die Bruttorendite, die sich aus der Einbeziehung der künftig zur Bardividende zu gewährenden Steuergutschrift ergeben wird.

"Krumme" Zinsen nicht von Dauer

Als die Konditionen, der jüngsten Bundesanleihe bekannt wurden, hielten die Börsianer einen Augenblick den Atem an. Daß der Übergang vom siebenprozentigen Nominalzins auf den Satz von 6 3/4 Prozent in einem Zug vollzogen, und dann gleich eine Laufzeit von zehn Jahren festgesetzt werden würde, war eine Überraschung.

Manager und Märkte

Die Gerüchteküchen in Frankfurt und Bonn dampfen. Grund: Die Bundesregierung hat bisher offiziell nicht auf den für diesen Monat angekündigten Rücktritt des Bundesbankpräsidenten Karl Klasen mit der Bestellung eines Nachfolgers reagiert.

Mehr Rat und Hilfe

Hesselbach: Dafür sprechen konzeptionelle und materielle Gründe. Zum Materiellen: Durch den Zusammenschluß ergeben sich für die Aktionäre wie für die einzelnen Unternehmen deutliche Vorteile.

Zeitraffer

Als Bundesfinanzminister Hans Apel seinen ersten Kommentar vor den Kameras abgab, war ihm die diebische Freude anzumerken, den Spekulanten ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Römische Skizzen

Am 21. Oktober 1976 hatten Verwandte in den USA per Luftpost ihr Weihnachtspäckchen an Annibale P. in den Abruzzen abgeschickt.

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