Überraschend seien für die dänischen Behörden die Schüler-Proteste gewesen – so meldet diese deutsche Zeitung –, die sich gegen die geringe Zahl der Unterrichtsstunden richteten. Es scheint sich dabei um eine frohe Überraschung gehandelt zu haben. Man wünscht den Lehrern wieder "Guten Morgen".

Tatsächlich haben in Kopenhagen und in anderen Städten die Besucher der höheren Schulen verlangt, ein soeben verabschiedetes Gesetz solle nicht praktiziert werden. 30 Stunden wöchentlich waren hier vorgeschrieben. Die Schüler der oberen Klassen aber wollen mindestens 34 Wochenstunden Unterricht haben.

Erinnern wir uns: Die Leidenschaft der Proteste war auf dem amerikanischen Campus ausgebrochen und hatte bald auch die europäische Universität erreicht. Umzüge, Plakate, Wandinschriften, Schreie, Polizei, Tränengas, Gummiknüppel, Pflastersteine. Die höheren Schüler ließen sich dies nicht zweimal zeigen. Schon konnten sie das auch. Umzüge, Schreie, Polizei, Tränengas, Pflastersteine.

So, wie die Studenten in den Vorlesungen, protestierten sie auch in den Unterrichtsstunden. Die meisten Professoren und Lehrer waren entsetzt. Wer konnte, ließ sich vorzeitig pensionieren. Sie machten es den Jungen nach: sie wollten nicht mehr. Eine neue Zeit war angebrochen. Und die Größen des Geistes und der Feder stimmten in den Jubel ein, teils zu Recht, teils zu Unrecht.

Und nun dies! Man kann sich gut vorstellen, wie sich der Schüler-Protest anfangs in den Augen der Kopenhagener Bürger abgespielt hat. "Olaf, was für ein Krach auf der Straße! Bitte, mach das Fenster zu", sagte die Hausfrau, "die Schüler protestieren." Olaf aber, der sich weit hinausgebeugt hatte, erwiderte: "Dagmar, sieh, was ihre Plakate sagen: sie wollen mehr Unterricht! Sie wollen – glaub es oder glaub es nicht – was lernen. Eine neue Zeit ist angebrochen!"

Bei näherer Betrachtung fand man allerlei Gründe. Weltweite Krise, allgegenwärtige Arbeitslosigkeit. Wenn Wirtschaftsblühen herrscht, wenn es allen gutgeht, will jeder seinen Anteil und möglichst ohne Ansprüche. Geht es aber um Wettbewerb, um Leistung, so sind diejenigen besser daran, die etwas gelernt haben und etwas können. Schon fängt ein neuer Rhythmus an, herrscht eine andere Moral. Und leicht gilt das, was die Jugend gestern modern nannte, heute als abgeschmackt, als abwegig, als kalter Kaffee.

Und die Großen des Geistes und der Feder, die in der Jugend Zukunft sehen, ändern ihre Texte, teils zu Recht, teils zu Unrecht.