Tiefblau, wie die unergründliche Tiefe des Pazific, ist das Floß, das darauf treibt. Nicht genug, daß es steuerlos den tosenden Wellen ausgeliefert ist, die Besatzung liefert sich auch noch einen erbitterten Kampf, Mann gegen Mann. Wen es erwischt, der fliegt über Bord.

Das Floß ist aus Plastik, die Mannschaften, weiß und rot, bestehen aus je 18 Steinen. Die Oberfläche der schwimmenden Plattform ist mit waagerechten und senkrechten Vertiefungen gekerbt, in denen die Spielsteine wie in Schienen laufen. Wer am Zug ist, darf mit irgendeinem seiner Steine soweit ziehen, bis er alle in dieser Schiene liegenden gegnerischen Steine vom Plan gestoßen hat.

Um diese Spielregel zu erfassen, braucht man nicht mehr als eine Minute. Und so einfach wie sich die Vorbereitungen anlassen, ist das Spiel selbst auch. Mein fünfjähriger Sohn spielt es mit Leidenschaft. Was aber nicht heißt, daß es ein Kinderspiel ist. Wenn man es darauf anlegt, so kann man ein paar Züge im voraus denken. Und das ist oft gar nicht so einfach, weil der eigene Vorteil sehr rasch in eine günstige Rauswerf-Möglichkeit für den Gegner umschlagen kann.

Die Ausgangssituation für den ersten Zug ist immer neu, weil die Steine nicht nach einem vorgegebenen Muster, sondern wahllos ausgelegt werden. Der eine Spieler darf dann wählen, mit welcher Farbe er spielen will. Der andere hat dafür den ersten Zug. Ein Verfahren ausgleichender Gerechtigkeit, das man bei allen Spielen mit nicht-symmetrischem Startaufbau einsetzen kann.

ÜBER BORD ist mustergültig gestaltet und verarbeitet. Tom Werneck

ÜBER BORD von Alex Randolph, Otto Maier-Verlag, Marktstr. 22–26, 7980 Ravensburg, 2 Personen, ca. fünf Minuten Spielzeit. Unverbindliche Preisempfehlung: 14,80 Mark.