Köln: Rebecca Horn

Die erste Übersichtsausstellung der erst 32jährigen Künstlerin macht vor allem die Problematik bewußt, wie man Video-Werke dem Publikum attraktiv präsentieren könnte. Die Skizzen, Diagramme, Photos und Aktionsobjekte in Koffern unterscheiden sich formal in nichts von der allgemeinen Szene dieser Jahre. Auf direkte Auftritte hat die Künstlerin längst verzichtet. Erst die Kamera erlaubt, sich zum Beispiel ganz auf das Tastspiel federverlängerter Finger zu konzentrieren. Zu Vorführabenden kommen aber erfahrungsgemäß wenige Besucher. Also versucht man nun, den laufenden Monitoren einen Rahmen zu geben, der ist freilich nur Staffage, aus Vorarbeiten, Standphotos, benutzten Kostümen. Im Grunde hat Rebecca Horn Details aus F. E. Walthers "Objekte benutzen" dekorativ entfaltet zu Objekt-Kostümen und Masken und sie jeweils einer bestimmten Person als Rolle auf den Leib "geschrieben". Der Aufwand scheint nicht selten größer als das Resultat. Ihr preisgekrönter Film "Berlin – Übungen in neun Stücken" faßt ihre neueren Absichten zusammen. Atmosphärisch sehr ansprechend, imprägniert von persönlichem Umraum und intimer Sensibilität, und das springt unmittelbar über, denn Stimmung hat ja für sich noch wenig eigenes, das Problem beginnt bei der Formalisierung. Und da kommen hübsche Variationen hingeworfener Motive von Buñuel, Warhol, Fellini und alten Ritualen der Bildpsychologie des Zuschauers entgegen. Wirklich durchchoreographiert in Zeit und Formentwicklung ist die Sequenz, wo zwei durch helle Bandagen gekennzeichnete Beine zweier Partner versuchen, die Beine eines Menschen zu werden. Die Stärke von Rebecca Horns Videos ist ihre Suggestivkraft; suggestiv wirkt immer, was man "irgendwie" kennt. Nur wäre, auch formal, strenger zu reflektieren, wo dieses Irgendwie aus dem Unbewußten kommt und wo es nur durch Assimilierung, durch Anverwandlung eines schon vorhandenen Bildrepertoires entsteht. (Kölnischer Kunstverein bis 24. 4., Katalog DM 13,–)

Georg Jappe

München: "Konstellationen"

Die "Constellations" von Joan Miró haben mit den "Konstellationen" von Josef Albers nicht mehr als den Namen gemeinsam, der zudem verschiedenes bedeutet – Sternbilder bei Miró, lineare Strukturen mit ambivalenter (Fläche/Raum) Wirkung, bei Albers, Phantasie dort, Präzision hier. Der Titel der Ausstellung, die Arbeiten von vier Künstlern vereinigt – Alf Lechner, Heinz Günter Prager, Alf Schuler, Arthur Dieter Trantenroth –, bezieht sich auf den von Albers gemeinten Aspekt. Die Thematisierung von Voraussetzungen konstruktiven Gestaltens, die der historische Konstruktivismus mitgedacht, aber nicht visualisiert hatte, ist der allen gemeinsame Ansatz. Lechners Kegel- oder Pyramiden-Subtraktionen, Schulers geometrische Figurationen, Pragers additiv aus stereometrischen Körpern gebildete Materialkonstruktionen führen über Minimal Art, deren Vokabular sie benutzen, hinaus, zurück auf den Konstruktivismus – und von da, umgekehrt, an Minimal vorbei in einen Bereich, der nicht durch das Objekt, sondern durch die Wahrnehmung des Objekts gekennzeichnet ist. Mit Ausnahme von Trantenroth, der den Dingcharakter seiner Arbeiten betont, hat der Betrachter es mit sichtbaren Substraten gedanklicher Operationen zu tun, mit verwirklichten Vorstellungsinhalten. (Städtische Galerie, bis zum 8. Mai; Katalog 16 Mark).

Helmut Schneider

Wichtige Ausstellungen: