Die Gerüchteküchen in Frankfurt und Bonn dampfen. Grund: Die Bundesregierung hat bisher offiziell nicht auf den für diesen Monat angekündigten Rücktritt des Bundesbankpräsidenten Karl Klasen mit der Bestellung eines Nachfolgers reagiert. Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher soll nicht bereit sein, Karl-Otto Pöhl, Staatssekretär im Bundesfinanzministerium und SPD-Mitglied, zum stellvertretenden Bundesbankpräsidenten machen zu lassen. Pöhl soll an die Stelle von Otmar Emminger rücken, der nach dem Wünsche von Bundeskanzler Helmut Schmidt Klasen-Nachfolger werden soll. Allerdings ist Emminger bereits 66 Jahre und soll deshalb nur zwei Jahre im Amt bleiben.

Die Verzögerung bei der Nachfolgerfrage sei für Karl Klasen deshalb ärgerlich, weil er sich – so der Platow-Dienst – berechtigte Hoffnungen auf einen Sitz im Aufsichtsrat der Deutschen Bank machen konnte. Von der Deutschen Bank wurde allerdings abgewinkt: "Neuwahlen zum Aufsichtsrat stehen überhaupt nicht auf der Tagesordnung der diesjährigen Hauptversammlung." Allerdings könnte Klasen auch ohne Wahl nachrücken, wenn ein anderes Aufsichtsratsmitglied sein Amt nach der Hauptversammlung zur Verfügung stellen sollte. Dann würde nämlich die Bestellung durch den zuständigen Registerrichter erfolgen.

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Wilhelm Arendts, Vorstandssprecher der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München, sieht die von seinem Vorgänger Anton Ernstberger eingeleitete Kooperation mit der Dresdner Bank nüchtern. Im letzten Jahr sei er mit Jürgen Ponto, dem Vorstandsvorsitzenden der Dresdner Bank, zwar einige Male zusammengetroffen, "aber ich kann nicht sagen, daß es besondere Höhepunkte gab".

"Ehrlich überrascht" zeigte sich Arendts, daß in den Aufsichtsrat der Hypo-Tochter Paulaner-Salvator-Thomas Bräu AG in München bereits im Mai der bisherige bayerische Finanzminister und künftige Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Landesbank, Ludwig Huber, einziehen soll. "Ich lese so wenig Zeitungen." Aufsichtsratsvorsitzender bei Paulaner ist noch Anton Ernstberger, der auch mit der Bayerischen Landesbank ein Kooperationsabkommen geschlossen hat.

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Der Nachfolger des im Alter von 51 Jahren verstorbenen Steag-Vorstandsvorsitzenden Heinz Schulte dürfte aus dem Kreis der übrigen Vorstandsmitglieder kommen. Als Favorit gilt. Hans Krämer (42). Für seine Berufung tritt unter anderem Aufsichtsratsmitglied Otto Graf Lambsdorff, der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion,ein.