• Herr Hesselbach, Sie verlassen die Bank für Gemeinwirtschaft, um Chef einer neuen Gewerkschafts-Holdinggesellschaft zu werden. Was versprechen Sie sich davon, alle gewerkschaftseigenen Unternehmen unter ein Konzerndach zu bringen?

Hesselbach: Dafür sprechen konzeptionelle und materielle Gründe. Zum Materiellen: Durch den Zusammenschluß ergeben sich für die Aktionäre wie für die einzelnen Unternehmen deutliche Vorteile. Zum Konzeptionellen: Der Gedanke der Gemein Wirtschaft – eine verbraucherorientierte Wirtschaft mit permanentem Wettbewerb – soll deutlicher ins öffentliche Bewußtsein dringen.

Wir wollen die Arbeit der einzelnen Gesellschaften koordinieren und ihren Zusammenhalt stärken. Außerdem soll die Marktbeobachtung verbessert, die Informationen gesammelt und zu einem Gesamtbild zusammengefügt werden, damit alle Marktchancen wahrgenommen werden können. Im übrigen soll der neue Konzern absolut dezentral arbeiten. Die Konzernspitze erteilt den angeschlossenen Gesellschaften Rat und, wenn nötig, Hilfe.

  • Warum bleibt die Neue Heimat draußen?

Hesselbach: Weil sie selbst ein funktionierender Konzern ist. Sie wird mit dem neuen Konzern freilich engen Kontakt halten. Ein weiterer Grund, warum die Hereinnahme der Neuen Heimat gar nicht zur Debatte stand, liegt im Bereich des Kreditwesengesetzes. Die Bank für Gemeinwirtschaft dürfte einer Konzernschwester Neue Heimat nicht soviel Geld leihen wie dem Kunden Neue Heimat, der nicht unter der gleichen Holding zum Konzern gehört.

  • Die Beteiligungsgesellschaft für Gemeinwirtschaft AG besteht ja schon etwas länger. Welche Aufgabe war ihr ursprünglich zugedacht worden?

Hesselbach: Sie ist 1975 gegründet worden. Den Gedanken ihrer Gründung habe ich vor dreizehn oder vierzehn Jahren entwickelt. Mein altes Konzept ist jetzt den veränderten Verhältnissen angepaßt worden. Denn mit dem Größerwerden wurden unsere Probleme härter. Bisher aber ist es uns nur begrenzt gelungen, unsere gemeinwirtschaftlichen Vorstellungen in der Öffentlichkeit darzustellen.