Hätte es bloß im Spiegel gestanden, es fiele vielen leichter, die Story als lästiges Phantasieprodukt abzuschütteln. Aber auch die ehrenwerte Süddeutsche Zeitung, über den Verdacht erhaben, sie habe es ausschließlich auf Wanzen und sonstige Lausigkeiten abgesehen, wußte ähnlich Befremdendes zu berichten über Marie Schlei, ihres Zeichens Entwicklungsministerin zu Bonn und derzeit auf Bildungsreise in Afrika.

Einem schwarzen Finanzminister bescheinigte sie, er könne nicht bis drei zählen. Mit mannhaften Maurer-Sprüchen brachte sie botswanischen Arbeitern die Philosophie des Industriezeitalters nahe: "Wenn man kein Bier ausgibt, hat man ausgeschissen." Den schwarzen Reportern diktierte sie ästhetische Urteile über Präsident Seretse Khama in den Block: "ein sehr schöner Mann, soweit ein Europäer das sagen kann". Über eine sambische Ministerin soll sie .verkündet haben: "Morgens weckt sie mich, abends bringt sie mich ins Bett, zwischendurch lockt sie mir das Geld heraus."

Über Berliner Schnauze als Mittel des diplomatischen Verkehrs steht nichts im Vier-Mächte-Abkommen. Ist aber, was nicht verboten ist, damit auch schon unbedingt zu praktizieren? Und ist mit Mutterwitz allein die Nord-Süd-Problematik wirklich zu einem innenpolitischen Thema der kommenden Jahre zu erhöhen? "Die Leute sind ja so gern heiter, die lachen so gern" – diese Einstellung ist dem großen Konflikt des ausgehenden zwanzigsten Jahrhunderts schwerlich angemessen. "Ich kann mir durchaus vorstellen, daß ich in einem schönen, roten, runden Haus wohnen könnte", sagte Marie Schlei in Botswana – Muttel im Kraal. Ihre Lehr- und Wanderjahre könnten uns teuer zu stehen kommen. ts