Die Verhandlungen um den Kredit des Weltwährungsfonds über 530 Millionen Dollar an Italien fanden in Wirklichkeit nicht mit der Regierung, sondern zwischen den Gewerkschaften und dem Fonds statt. Die Regierung ist nur formell der Unterzeichner. Das Minderheitskabinett Andreotti mußte in der Lohnpolitik noch nach einem Kompromiß über den Kompromiß suchen, um die Gewerkschaften zufrieden zu stellen. Nachdem ihre Lohnpolitik gescheitert ist, bleibt der Regierung wieder einmal keine andere Möglichkeit, als an der Kreditschraube zu drehen.

Schon wenige Stunden nachdem Italiens Schatzminister Caetano Stammati den Direktor des Weltwährungsfonds um erneute Abänderung der Kreditbedingungen bitten mußte, gab die römische Notenbank auch schon den ersten Warnschuß ab: Die Banken dürfen von jetzt an bis Ende November ihren Kunden nur um fünf Prozent höhere Kredite geben. Das bedeutet bei mindestens fünfzehn Prozent Jahresinflation eine harte Einschränkung. Wenn die Betrunkenen im Gasthaus randalieren, ist es eben einfacher, heimlich den Bierhahn im Keller abzudrehen, als die Maßkrüge wegzunehmen.

In Italien wird – wie bisher – das Einkommen automatisch an die Inflation angepaßt werden, aber nur für diejenigen, die noch ihre Arbeitsplätze haben. Ob die Gewerkschaften angesichts der zu erwartenden neuen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit ihre Basis leichter kontrollieren können, steht dahin. fg