Am 21. Oktober 1976 hatten Verwandte in den USA per Luftpost ihr Weihnachtspäckchen an Annibale P. in den Abruzzen abgeschickt. Jetzt, Mitte März, kamen die süßen Grüße an. Annibale zeigte sich gelassen: "Ich warte jetzt noch bis Ostern, ehe ich das Päckchen aufmache."

Weniger gelassen betrachtet die nationale Vereinigung des italienischen Versandhandels das dolce jar niente der Post. Ihr Präsident Pietro Sanfelice veröffentlichte in den Tageszeitungen einen offenen Brief an Postminister Vittorino Colombö: "Seit einem Monat funktioniert in Mailand kein Postdienst mehr", erboste sich Sanfelice. "Meine dringenden Appelle an Sie haben bisher keine Antwort gefunden. Ich weiß, daß Sie kein unhöflicher Mensch sind. Aber da ich den üblichen Postweg benutzt habe, war es absurd anzunehmen, daß meine Botschaften an Sie gelangten. Deshalb wähle ich jetzt diese Form der Mitteilung."

Der Versandhandel beklagt sich, daß die Frühjahrskataloge der Versandhäuser nicht an die Kunden gelangen, ganz zu schweigen von den Paketen. Umgekehrt blieben "Hunderte von Milliarden Lire" bei der Post liegen, weil auch der Überweisungsdienst von und nach Mailand seit drei Wochen lahmgelegt ist.

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Dabei dauerte der reguläre Poststreik nur vierzehn Tage. Aber nach dem Ende des Ausstandes führten die Gewerkschaften den "Dienst nach Vorschrift" ein. Auch ich erhielt vier Wochen lang nicht eine Drucksache, nicht eine Zeitung, nicht einen Brief. Seit der vergangenen Woche kommt die Februarpost dafür kiloweise an.

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Seit auch der Mailänder Fernschreibdienst nur noch nach Vorschrift arbeitet und zum Beispiel Überstunden bei Reparaturen am strapazierten Netz ablehnt, hat die Mailänder Wirtschaft-ihre privaten Kurierdienste verstärkt. Kosten für ein Kilo Kurierpost per Flugzeug von oder nach London: 37 000 Lire (100 Mark).