Das Köln ist, darüber gibt es keinen Streit. Köln ist mancherlei: antike Stadt, Mittelalter und Gegenwart, Geschäftszentrum und Erzbistum, Flußhafen, steingewordener Kunstsinn, Karnevalsmetropole, Heinzelmännchenstadt und Touristenumschlagplatz.

Die Bücher, die über die zweitausendjährige Stadt geschrieben wurden, sind nicht zu zählen, und es liegt in der Natur dieser Stadt wie weniger anderer – etwa München –, daß alle Bücher Liebeserklärungen sind. Der Autor des neuen DüMont-Kunst-Reiseführers "Köln" in der nun schon umfangreichen soliden Reihe

Willehad Paul Eckert; "Köln", Verlag DuMont Schauberg, Köln, 360 Seiten mit 19 mehrfarbigen und 184 einfarbigen Abbildungen, 9 Karten, Zeittafeln sowie 45 Zeichnungen und Grundrissen; Preis 24,80 Mark

hat es nicht leicht gehabt, und er hat es sich nicht leicht gemacht. Ein Zufall kam ihm bei dem Auftrag zu Hilfe. Das 100jährige Jubiläum des Kölner Stadt-Anzeigers, der im gleichen Verlag erscheint, brachte seine in der Einführung geäußerten Zweifel, ob ein weiteres Buch über Köln berechtigt sei, zum Verstummen. Der abgenutzte Untertitel "Stadt zwischen Tradition und Fortschritt" und die Überschrift der Einführung "Stadt der Gegensätze" ist wenig verlockend. Fast alles steht zwischen Tradition und Fortschritt, falls man an Fortschritt noch glaubt, und Gegensätze gibt es überall.

Aber die Kunst dieser alten Stadt am Rhein, in der schon früh und lange Macht und Reichtum, Pracht und fromme Andacht mit sich brachten und besondere Möglichkeiten für die künstlerische Entfaltung schufen, diese Kunstblüte zu beschreiben und zu erklären und damit die Stadt verständlicher zu beschreiben und noch liebenswerter zu machen, das war eine schöne Aufgabe. Ist sie gelungen? Der moderne Reisende sucht ja nicht nur Kunstwerke, er will ihre Verbindung mit Leben und Geschichte kennenlernen, Sachkenntnisse erwerben und animiert werden.

Seit dem Ende des Krieges ist Köln ein Bauplatz. Die Restaurierung alter und uralter Bauwerke wird noch lange andauern. Vieles ist untergegangen, vieles dem Abrißfanatismus zum Opfer gefallen, so schon im 19. Jahrhundert die alten niedrigen Häuser rund um den Dom. Aber sogar die Kriegszerstörungen haben noch Wunder gewirkt, es kamen unter mittelalterlichen Trümmern Schätze aus der Römerzeit zum Vorschein, und manche Kirche, die restauriert wurde, hat gegenüber dem älteren, verfälschten Zustand gewonnen, wie St. Pantaleon.

Das Römisch-Germanische Museum an der Südseite des Doms ist eine Hauptattraktion geworden. Es dokumentiert die antike Provinzstadt mit ihrer Vorgeschichte und ihrem Nachwirken in die fränkische Zeit und dies mit außerordentlichen Funden.