Hörenswert

Hubert Laws: "The San Francisco Concert". Hüftenrollender Soul-Jazz – so etwa könnte man diese in langen Schwüngen gemächlich swingende Musik für Flöte und Rhythmusquartett (Tasteninstrument, Gitarre, Schlagzeug, Baß) umschreiben. Ihr Protagonist ist Hubert Laws, ein im Metier angesehener Flötist, der sich weniger um eine auf Biegen und Brechen originelle Klangfarbe bemüht als um ein distinguiertes Improvisationsspiel. Er macht einen relativ leisen, rhythmisch einfachen und prägnanten, sehr eingänglichen Jazz, der als Themen auch Klassisches verarbeitet Er holt sie sich aus der Farandole der zweiten Arlesienne-Suite von Bizet und aus Rimskij-Korssakows "Scheherazade", für die er das Combo-Klangbild von den San-Francisco-Sinfonikern auffüllen läßt Eine, sagen wir, sehr gepflegte und gefällige Veranstaltung, aber niemals langweilig. (CTI/Metronome 63.016) Manfred Sack

Besser nicht

Barbra Streisand & Kris Kristofferson: "A Star Is Born". Renommierte Pop-Komponisten wie Leon Russell, Rupert Holmes, Paul Williams und Kenny Loggins haben ihre Namen für den Soundtrack dieses öden Remakes hergegeben. Miß Streisand, die sich schon mehrfach als Rocksängerin zu profilieren versuchte, ruiniert hier selbst die besseren Songs mit ihrem Nightclub-Schmalz, und Kris Kristofferson singt so schlecht, daß man meinen könnte, dahinter stecke Absicht. Vollends absurd wirkt der stellenweise willkürlich eingemischte Applaus des Konzertpublikums. (CBS 86021) Franz Schöler

Ausgefallen

Roland Kayn: "Kybernetische Musik". Lassen sich künstlerische Absichten in eine von einer Maschine, verstandene Sprache übersetzen – und welche ästhetischen Komponenten bringt, umgekehrt, eine Maschine in den musikalischen Schaffensprozeß hinein? Roland Kayn, geboren 1933, Schüler unter anderem von Boris Blacher, seit Jahren für das Goethe-Institut in Amsterdam tätig, ist in seinem Komponieren stark von den Ideen Max Benses beeinflußt worden. Seine zwei Kassetten mit kybernetischer Musik sind die Summe seiner Erfahrungen aus über zehn Jahren Arbeit an Apparaturen, in Elektronischen Studios und an Computern. Seine Stücke basieren auf elektronischem Material, das mit Hilfe komplizierter Steuerungsprozesse ("und", "entweder – oder", "wenn – dann", "sowohl als auch") in künstlerische Formen gebracht wurde. Der akustische Reiz der Werke ist zunächst befremdend, dann immer mehr gewinnend, schließlich faszinierend. Das Rätsel um die technischen Entstehungsprozesse der Klänge wie der Formen erhöht diesen Reiz auf eine fast kriminalistische Weise. (Colosseum SM 1473 und 1474)

Heinz Josef Herbort