Der Stadt drohen Millionenverluste – das Kröpcke-Center ist konkursreif

Armes Hannover, was soll aus dir noch werden!" Barsch ging Herbert Röhrig in einem Brief an seine Zeitung mit der Stadt ins Gericht. Es war die Baupolitik, die dem Hannoveraner "wieder einmal die Galle ins Blut" trieb: "Es genügt nicht, daß wir mit diesem scheußlichen Koloß leben müssen, nun werden wir als Steuerzahler auch noch zur Kasse gebeten."

So wird es wohl kommen. Denn der Koloß, das "Kröpcke-Center" in Hannovers Stadtmitte, steht auf lahmen Finanzbeinen. Jetzt droht ihm auch noch der Boden wegzusacken. Geplant war alles ganz anders. Dominierend in der City, mit seinen zehn Obergeschossen immerhin 52 Meter aufragend, so hatten die Städtebauer sich ihren echten urbanen Mittelpunkt erträumt. Ein belebtes Kommunikationszentrum, nicht ein Kaufhaus sollte entstehen: "das Herz von Hannover".

Direkt am Verkehrsknotenpunkt Kröpcke, zwischen Fußgängerbereichen und über der U-Bahn, wäre ein Gemeinschaftshaus des Einzelhandels mit Praxisräumen und Büros auf bürgerweite Zustimmung gestoßen. Die Betriebsgesellschaft Hannover-Center am Kröpcke GmbH + Co. KG (HCAK) aber hat Ende März den Antrag auf Eröffnung eines Vergleichsverfahrens gestellt. Die Gründungskommanditisten waren nicht für ein außergerichtliches Sanierungskonzept zu gewinnen. Ein Stundungsvergleich ist unwahrscheinlich. Eher wird es nach der etwa vierwöchigen Prüfung des Vergleichsantrags zu einem Anschlußkonkurs kommen, eine Zwangsversteigerung wäre die Folge.

Die Verluste sind gewaltig. Allein die Stadt Hannover schreibt als Kommanditistin 40 Millionen Mark in roten Zahlen. Neben der Norddeutschen Landesbank, der auch hier gebeutelten Stadtsparkasse, der Nordland Bau GmbH und einigen Kaufleuten sind eine Bank und Kleinanleger nun in Bedrängnis. Hannovers Herz war zu hoch geflogen.

Bei der Grundsteinlegung 1971 jubelten Planer und Finanziers den Beton-Glas-Klotz noch zum Jahrhundertbauwerk hoch. Zwei Jahre später schon wurde nur noch von Geld gesprochen. Die Stadt stundete den Grundstückskaufpreis von 13 Millionen Mark bis 1975. Nordland Bau und Stadtsparkasse gaben 80 Millionen Mark Kredit. Schon früh kamen allerdings auch Bedenken an dem Renommierstück. Der damalige Leiter der Stadtkämmerei, Erich Deppe, warnte vor dem großzügigen Einstieg der Stadtsparkasse. Der Beamte hielt das Risiko für zu hoch. Kassen-Chef Willy Fascher, heute fristlos entlassen und von Gerichtsverfahren bedroht, setzte seinen Willen durch. Fascher war zu jener Zeit nicht nur Generaldirektor der Sparkasse, er hielt auch den Vorsitz im Aufsichtsrat der Kröpcke-Center-Gesellschaft und der IMAC-Bauträger-AG. Deren Tochtergesellschaft Intercontract wiederum leitete den Center-Bau. Andere Kröpcke-Gesellschafter waren ebenfalls an der IMAC beteiligt; man verdiente an sich selber.

Die Baukosten sollten 60 Millionen Mark betragen, unterm Strich wurden 100 Millionen daraus, Aber nicht nur der Knochenbau ums Hannover-Herz ist zu gebrechlich. Auch der Kreislauf stimmt nicht. Denn Einzelhändler sind in den Beton-Koloß nicht eingezogen. Die Hertie-Tochter Wertheim ließ sich überreden, einige Stockwerke für ein Kaufhaus zu nehmen. Aus dem Kommunikationszentrum im Parterre, in dem auch abends noch städtisches Leben herrschen sollte, wurde nichts. Einige Unternehmen der Schallplattenbranche mieteten sich ein, eine amerikanische Fluggesellschaft und die Stadt selbst. Ausgerechnet das Katasteramt übernahm drei Stockwerke der stattlich teuren Mietflächen. Wertheim kam auch nicht ganz selbstverständlich in die Stadtmitte. Eine Festmiete bezahlt das Unternehmen nicht. Vielmehr richtet der Mietzins sich nach dem Umsatz, und der soll kaum mehr als 50–70 Millionen Mark ausmachen.