Bücher über die Entwicklung europäischer Parteiorganisationen sind ein Wagnis. Nirgendwo verändert sich die politische Landschaft schneller als im Vorfeld der europäischen Direktwahl. Was eben noch aktuell war, ist morgen schon überholt. Gleichwohl ist es notwendig, dieses immer noch relativ unbekannte Feld der Politik darzustellen. Dort wird, schließlich über kurz oder lang das Schicksal Europas und das der Bundesrepublik entschieden. Zwei verschiedene Ausschnitte dieses Geländes werden in den folgenden Büchern geschildert:

Martin Bangemann, Roland Bieber: "Die Direktwahl – Sackgasse oder Chance für Europa"; Nomos-Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1976; 188 S., 9,80 DM.

Christian Fischer-Dieskau, Friedrich Fugmann u. a.: "Zusammenarbeit der Parteien in Westeuropa"; Europa Union Verlag GmbH, Bonn 1976; 428 S., 27,– DM.

Bangemann und Bieber schildern den Weg zum Ratsbeschluß über die europäische Direktwahl, erläutern dessen Bestimmungen und erörtern Möglichkeiten und Grenzen des direkt gewählten Parlaments jener Institution, auf die sich nun die politischen Hoffnungen der Europäer richten.

Von dem FDP-Abgeordneten Bangemann stammt ein sehr nützlicher Überblick über die Arbeit der Fraktionen im europäischen Parlament und über die ersten Schritte auf dem Weg zu europäischen Parteien. Noch ausführlicher, auch über den Rahmen der EG hinaus, wird in dem Sammelband der Europa-Union die Zusammenarbeit der Parteien dargestellt. Die europäischen Parteifamilien werden kenntlich, die verbindenden Gemeinsamkeiten und die Differenzen etwa zwischen den nord- und südeuropäischen Sozialisten oder zwischen sozial-progressiven Christlichen Demokraten in Belgien, Holland und Italien und den mehr konservativen in Deutschland und Österreich.

Beide Bände sind mit informativen Tabellen reich bestückt. Wer sich über die europäische Parteiszene unterrichten will, wird kaum auf sie verzichten können. Rolf Zundel