Von E. Michael Salzer

Schweden ist nun einmal anders, oder "annorlunda", etwas "ganz anderes" wie es auf Schwedisch heißt. Hier geht man ins "Café", um ein Glas Bier zu trinken, in eine "Bar" für eine Tasse Kaffee, "Öl" ist Bier, und "Ölcafés" sind eben Bierstuben, "Bars" jedoch Schnellgaststätten mit Selbstbedienung und ohne Alkoholausschank. Starkbier, Wein und Spirituosen serviert man vor allem nur in den Restaurants mit Bedienung und meist auch nur, wenn man gleichzeitig einen Imbiß bestellt.

Dort stellt der Kellner, ohne die Achsel zu zucken, auch ein Seidel frische Milch zum Beefsteak auf den Tisch. Den berühmten (oder berüchtigten) Schnaps (rein oder mit Anis, Johannisbeeren usw. schmackhaft gemacht) trinkt man selten ohne den süß-sauer marinierten Hering mit der obligatorischen Kartoffel. Nach der (nur selten aufgetischten) Suppe oder der Vorspeise räumt der Kellner erbarmungslos Brot, Butter und Käse vom Tisch, ehe er Fisch und Fleisch serviert.

Die Schweden genießen ihre Spezialitäten nicht nur mit dem Gaumen, sondern auch mit den Augen, servieren sie jeweils wie ein Stilleben mit Dillfahnen, Tomatenvierteln, Gurkenscheiben, Oliven und Petersilieblättern garniert. Nicht nur im Restaurant, auch in ihrem Heim kommt die einfachste Hausmannskost formschön und stilgerecht arrangiert- auf den Tisch.

Der ausländische Gast sei vor dem "süßen Zahn" der Schweden gewarnt. Zucker spielt in der schwedischen Küche eine wichtige Rolle. Mehr als Salz und Pfeffer. Die meisten Brotsorten sind mit Melasse gesüßt (mit Ausnahme des weißen "Franska" und des nunmehr sporadisch angebotenen "Bauernbrots"). Man streut genießerisch Zucker auf die gebratene Blutwurst oder auf die, übrigens ganz vorzügliche, saure Milch (Filmjölk), streicht süßen Senf auf die mit viel Milchpulver zubereiteten heißen Würstchen.

Eine Lieblingsspeise der Schweden sind die süß-sauren, braunen Bohnen mit Speck, und nach dem traditionellen Donnerstagessen, der gelben Erbsensuppe mit gepökelten Schweinefleischbrocken, serviert man Pfannkuchen mit Preiselbeeren und viel Streuzucker.

Die schwedische Küche ist reichhaltig, jede Provinz hat ihre lokalen Spezialitäten, die sich zum großen Teil auf dem (in den meisten größeren Restaurants an Sonntagen aufgetischten) Smörgåsbord zu einem Tableau der schwedischen Tafelfreuden vereinen, an dem man sich erst einmal mit den Augen sattsehen muß, ehe man behutsam und bescheiden kleine Kostproben auf seinen Teller häuft. Da ziemt es sich, nach traditioneller Disziplin, zielbewußt und in der richtigen Reihenfolge zu beginnen.