Industrie und Staat versuchen, dem Verbraucher tiefer in die Tasche zu langen

Die Ford-Werke, so heißt es bei dem Kölner Auto-Unternehmen, rechnen noch. Opel in Rüsselsheim und die Wolfsburger. Volkswagenwerke haben ihre Berechnungen schon abgeschlossen. Mit demselben Ergebnis: Seit diesem Montag sind Opel-Autos um durchschnittlich 3,9 Prozent teurer, und genau eine Woche vorher hatte VW seine Wagen verteuert – auch um 3,9 Prozent.

Schon Mitte Februar hatte Daimler-Benz das Preiskarussell in Gang gesetzt. Die Luxuslimousinen aus Stuttgart wurden im Schnitt um 3,9 Prozent teurer, Mitte März folgte BMW – mit 3,8 Prozent.

Doch nicht nur die Autobauer haben gerechnet. Bauern, Handwerker, Nahrungsmittel- und Bekleidungsindustrie wie auch Verkehrsunternehmen wollen mehr für ihre Waren und Leistungen.

"Neue Preisschübe", so meinte jüngst Johann-Anton Pernice, Hauptgeschäftsführer beim Hauptverband des Deutschen Lebensmittel-Einzelhandels, werde es in diesem Jahr bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen geben. Die Lebensmittelhändler, die letztes Jahr insgesamt 96,5 Milliarden Mark (gesamter Einzelhandel: 302 Milliarden) Umsatz erzielt haben, rechnen mit einem Preisauftrieb von rund fünf Prozent. Bedeutend mehr freilich kann man bei Kaffee, Tee und Kakao erwarten. "Kaffeepreise", sagt Thomas Schlier von der Arbeitsgemeinschaft der Verbraucher (AGV), "werden mit Sicherheit im ganzen Jahr hoch bleiben". Allein im März konstatierte beispielsweise das Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik in Nordrhein-Westfalen einen Preisschub von 37,3 Prozent für die braunen Bohnen.

Neue Preise avisieren nun auch Schuhfabrikanten, Taschen- und Kofferhersteller. Ihre Vorstellungen: bei Schuhen vier bis fünf Prozent höhere Preise, bei Ledertaschen und -koffern vier bis sechs Prozent, Krokotaschen sollen gar um ein Viertel teurer werden.

Doch die Industrie kann kaum mehr als Preiswünsche äußern, ob und wie weit die verteuerten Fabrikabgabepreise an den Endverbraucher weitergegeben werden, läßt sich nicht absehen. Vom Staat verordnete Preise hingegen kommen allemal beim Konsumenten an. So dürften Westberliner beispielsweise ab 1. August im Durchschnitt 23 Prozent mehr zahlen, wenn sie mit städtischen U-Bahnen und Bussen fahren wollen. Auch der Hamburger Verkehrsverbund langt wieder einmal zu: Ab 31. Juli sollen U- und S-Bahnfahrer sowie Busbenutzer 5,9 Prozent mehr zahlen.