Von Günter Deister

Schon nach den Olympischen Spielen 1960 in Rom wurde mir klar, so kann es nicht weitergehen", sagte Willi Daume. Nach Rom kam Tokio mit dem Ende der gesamtdeutschen Mannschaft. 1966 wurde München durch das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit der Durchführung der Spiele 1972 beauftragt, und der Sport der DDR setzte zum Sprung an die Weltspitze an. Daume: "In dieser Situation durften wir nicht untätig sein. Der Förderungsvorteil des Staatsamateurs östlicher Prägung war mittlerweile so groß, daß wir einen eigenen Weg finden mußten, um unseren Athleten eine Chance zu geben, mithalten zu können."

So ließ der damalige Doppel-Präsident vom Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland im Jahr 1967 die "Stiftung Deutsche Sporthilfe" gründen. In der Gründungsurkunde verpflichtete sich die Stiftung, "einen Beitrag zur Lösung der gesellschaftspolitischen Probleme des Leistungssports zu leisten". Von nun an sollten "Sportlerinnen und Sportler zum Ausgleich für ihre Inanspruchnahme durch die Gesellschaft bei der nationalen Repräsentation ideell und materiell durch alle dazu geeigneten Maßnahmen gefördert werden". – Die "Deutsche Sporthilfe" wird jetzt zehn Jahre alt.

Unmittelbar nach Gründung der Sporthilfe ging bereits der Förderungsantrag Nr. 1 ein. Es war eine Arztrechnung über 464 Mark von Wolfgang Danne, Vizeweltmeister im Eiskunstlaufen der Paare zusammen mit Margot Glockshuber, entstanden durch Behandlung nach einem Sportunfall, für die die Krankenkasse nicht aufkommen wollte. Die Stiftung bezahlte. Seitdem hat sie rund 7000 Sportler gefördert und den Spitzensport der Bundesrepublik mit über 60 Millionen, Mark unterstützt. Aus dem "Sozialwerk des deutschen Sports", das 1967 klein und bescheiden mit 77 000 Mark begann, ist ein Millionen-Unternehmen geworden. Gezahlt wurde für Studium und Ausbildung, für ärztliche Betreuung, Ernährung, Zusatzversicherung und Fahrtkosten. Verdienstausfall wurde erstattet, Trainingsgerät angeschafft, Mietbeihilfe geleistet. An diesen Prinzipien hat sich bis heute nichts geändert.

Geändert haben sich hingegen die Förderungsrichtlinien. Wer erfolgreich war, der konnte früher mit Pauschalzuwendungen bis zu 600 Mark pro Monat rechnen. Das böse Wort vom "Sporthilfe-Rentner" wurde geboren, der sein ganzes Trachten – und seine Trainingspläne – auf das Erreichen der Förderungs-Norm ausrichtete, und sich ansonsten, so auch bei internationalen Meisterschaften, schöne Tage machte. 1973 nahm die Sporthilfe eine Kurskorrektur vor. Die soziale Bedürftigkeit spielte jetzt eine größere Rolle, trainingsbedingte Mehrausgaben wurden nicht mehr so ohne weiteres erstattet, sondern mußten nachgewiesen werden. Mehr denn je kam es nun auf die Leistung an. Gegenwärtig erhalten etwa 90 Prozent der von den Fachverbänden zusammen mit dem Bundesausschuß für Leistungssport im DSB in A-(internationale Klasse), B-(nationale Klasse) und C-Kader(Nachwuchs) sortierten Spitzensportler Grundbeiträge zwischen 100 und 200 Mark. Dazu können, bei Nachweis, Sozialbeihilfen kommen. Die Höhe der Kostenerstattung ist abhängig von der Leistung. Sie wird nach einem komplizierten Schlüssel bewertet, wobei die Sportart, Disziplin und die Qualität der gewonnenen Meisterschaft besonders gewichtet werden. Ein Olympiasieg kann bei dieser Art von "leistungsbezogener Kostenerstattung" über zwölf Monate verteilt nahezu 10 000 Mark einbringen, ein Weltmeisterschafts-Gewinn dürfte, alles in allem, mit etwa der Hälfte bewertet werden.

Natürlich muß die Sporthilfe ihre Förderungsprinzipien auch immer, und das macht einen Teil ihrer Schwäche aus, an den Einnahmen ausrichten., 1972, im finanziell fettesten Jahr, flossen der Stiftung 19,2 Millionen Mark zu, 9,4 Millionen davon brachte sie an den Mann. 1975 hingegen kamen nur ganze 3,9 Millionen ein. Ohne Erspartes hätte die Sporthilfe nicht jene 6,1 Millionen ausgeben können, mit denen im vorolympischen Jahr nur die größten finanziellen Löcher im Netz der sozialen Absicherung gestopft wurden.

15 Millionen Mark benötigt die Stiftung nach eigenen Angaben jährlich, um allen Aufgaben einigermaßen gerecht zu werden. Ohne Hilfe des Staates kann sie dieses Ziel nicht erreichen. Nur wenn das Postministerium künftig regelmäßig Sport-Briefmarken auflegen läßt, aus deren Zuschlagerlös der Sporthilfe bisher nahezu 40 Millionen Mark zuflössen, und wenn sich die Glücksspirale der Fernsehlotterie als zweite Haupteinnahmequelle auch weiterhin für die Stiftung dreht, ist die Zukunft des Sport-Hilfswerkes gesichert.