Zeitspiegel

Kohl und die Kilos

Oppositionsführer Helmut Kohl will nach Ostern schlank ins parlamentarische Gefecht zurückkehren. Er ist nach Schruns zur Kur und hofft, einige Kilo in Vorarlberg zu lassen. Kohl fährt gern in die Alpen; eine, wenn auch nicht die einzige Begründung dafür lautet: "Auf den Bergen kann ich wenigstens keine Sahnetorte essen."

Phalanx der Lobbyisten

In der Lobbyisten-Liste, die seit Ende 1972 bei der Bundestagsverwaltung geführt wird, haben sich bisher mehr als 800 Verbandsvertreter registrieren lassen. Erst dann eröffnet sich ihnen die Möglichkeit – aber kein Anspruch – auf Anhörung. Gegenüber der ersten Liste, die 1973 aufgelegt wurde, hat sich die Zahl der Interessenvertreter um rund ein Viertel vermehrt. Von A bis Z findet sich dort mittlerweile alles: von der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kraftwagenspediteure bis zum Zweckverband organischer Düngemittel.

Tiefer Sturz

Nach der Wahlniederlage müssen Indira und Sanjay Gandhi nun weitere Folgen fürchten. Die neue Regierung will in wenigstens drei Gerichtsverfahren prüfen, ob und wieweit sich die Ex-Regierungschefin und ihr tatendurstiger Sohn ungerechtfertigt bereichert haben. Zwei Anklagen betreffen das Maruti-Autowerk des Sohnes Sanjay, das den indischen "Volkswagen" produzieren soll. Eine dritte gilt einem obskuren Kriminalfall aus dem Jahre 1971, als ein Geheimagent allein durch eine Imitation der Stimme Indira Gandhis am Telephon die Zentralbank um drei Millionen Pfund erleichterte – und binnen 48 Stunden dafür verurteilt wurde: ein nie wieder erreichter Rekord in der indischen Justiz.

Kleine Brötchen

Zeitspiegel

Im sino-sowjetischen Wettkampf um Einfluß in Afrika können die Sowjets eindeutig einen Punktsieg verbuchen. Die soeben beendete Safari ihres Staatsoberhauptes Podgorny und die Jubeltour ihres kubanischen Mitstreiters Fidel Castro liefern den besten Beweis dafür. Allerdings bedeutet das nicht, daß die Chinesen schon überall Terrain verloren haben. Sie müssen sich nur damit abfinden, kleinere Brötchen zu backen und sich auch um solche Staaten bemühen, die nicht im Zentrum des machtpolitischen Interesses stehen. Als erster afrikanischer Staatschef nach dem Tode Mao Tse-tungs ist deshalb jetzt Mauretaniens Präsident Mokhtar Ould Daddah nach Peking gereist.

Keine Korruption durch Kaugummi

Nach jahrelangen Kampagnen gegen den verderblichen Einfluß von westlichem Kaugummi, quillt nun auch volkseigene Kaumasse auf Testmärkte in Estland und Armenien. Das "dekadente bürgerliche Produkt" – wie es in den Attacken der Parteiideologen immer hieß – hat allerdings nicht zur totalen Korruption der sowjetischen Jugend geführt. Im Gegenteil, der Eigenbau-Kaugummi hat die kommunistische Moral eher angehoben, indem er etwa den schwunghaften Schwarzhandel mit West-Stäbchen unterband. Auf sowjetischen Schulhöfen wurde das Westprodukt zu DM 2,50 pro Stück angeboten; die eigene Ware kostet nur 50 Pfennig. Allerdings sind neue gesellschaftliche Probleme entstanden: Radio Tallin (Estland) sendet nun Ratschläge an die Hausfrauen "wie man am besten Kaugummi von den Möbeln entfernen kann".