Von Eva Marie von Münch

Gescheiterte Ehen sollen in Zukunft geschieden werden können ohne Rücksicht darauf, wer "schuld" hat und wer nicht.

Der verzweifelte Kampf um die formale Aufrechterhaltung einer gescheiterten Ehe wurde meist von Frauen geführt. Der Grund war Angst: Angst vor den finanziellen Folgen; Angst, aus der Wohnung hinausgeworfen zu werden; Angst vor sozialer Degradierung. Angst also nicht so sehr vor der Scheidung selbst, sondern vor ihren Folgen. Selbst wenn eine Scheidung ausgesprochen war, ging der Kampf oft noch jahrelang weiter. Denn Scheidung, Unterhalt, elterliche Gewalt über die Kinder, Verteilung von Hausrat und Wohnung waren jeweils in getrennten Prozessen von immer wieder anderen Richtern zu entscheiden. Für die Scheidung selbst war (und ist noch bis zum 30. Juni) das Landgericht zuständig, über die elterliche Gewalt hatte das Vormundschaftsgericht (beim Amtsgericht) zu entscheiden, über Unterhalt, Hausrat und Wohnung wurde, je nach Höhe des Streitwertes, vor dem Amtsgericht oder dem Landgericht gestritten.

Das wird sich im neuen Recht andern. Die Scheidung und ihre Folgen sollen in Zukunft von einem Richter und möglichst gleichzeitig in einem Verfahren geregelt werden. Das Stichwort heißt "Verbund": Gemeint ist damit eine Konzentration der Zuständigkeit bei einem Gericht, dem Familiengericht.

Bei einer von beiden Ehegatten gewünschten Konventionalscheidung, die in Zukunft nicht nur de facto, sondern auch de iure möglich sein wird, erzwingt das neue Recht den Verbund: Wenn die Ehegatten seit mindestens einem Jahr getrennt leben und beide geschieden werden wollen, so müssen sie in der Antragsschrift zum Scheidungsverfahren einen gemeinsamen Vorschlag hinsichtlich der Kinder, des Unterhalts, der Wohnung und des Hausrats machen. Bei einer streitigen Scheidung, die nach drei Trennungsjahren, bei Berufung auf die Härteklausel spätestens nach fünf Trennungsjahren möglich ist, wird der Verbund nur für zwei Fragen zwingend vom Gesetz vorgeschrieben: für die Regelung der elterlichen Gewalt und für den Versorgungsausgleich, sofern für diesen eine Übertragung von Rentenanwartschaften aus der gesetzlichen Rentenversicherung erforderlich ist.