Von der freundlichen Aktientendenz, die in den ersten Tagen des neuen Jahres herrschte, ist nicht viel übriggeblieben. Bis zum 10. Januar hatte sich der Aktienindex gegenüber dem Jahresultimostand um 2,8 Prozent verbessert. Bei dem Anstieg hatte es sich jedoch nur um einen zu Beginn eines Jahres keineswegs seltenen Fehlstart gehandelt. Unter Schwankungen ging es danach abwärts. Am 10. März wurde der bisherige Tiefpunkt erreicht. Der Index fiel bis 2,4 Prozent unter dem vom Jahresultimo. Inzwischen bewegt er sich um rund 1,3 Prozent darüber.

Die relativ geringen Indexveränderungen geben jedoch ein falsches Bild von der tatsächlichen Börsensituation. Denn innerhalb der Branchen hat es ganz ansehnliche Schwankungen gegeben. Angesichts des differenziert verlaufenden Konjunkturaufschwungs muß auch in der Zukunft mit unterschiedlichen Entwicklungen gerechnet werden. Deutlich geworden ist in den letzten drei Monaten ein akzentuiertes Renditedenken, angeregt sicherlich auch durch die Körperschaftsteuerreform, die – das steht heute fest – die Rendite der meisten Aktien verbessern wird.

Das erste Quartal brachte aber auch den Abschied von bisherigen Favoriten. So werden Siemens rund 20 Mark unter ihrem diesjährigen Höchstkurs gehandelt. Mannesmann liegen rund 15 Mark darunter. Auch die Aktien der Deutschen Bank hatten zeitweise Druckperioden zu überstehen, zurückzuführen in erster Linie auf Abgaben aus dem Ausland. Die Aufnahmebereitschaft für die von außen zurückgekommenen Papiere war deshalb gering, weil bei ihnen die Renditerechnung eben nicht aufgeht.

Im Bereich ihrer Jahreshöchstkurse bewegen sich jetzt die Aktien der deutschen Großchemie, deren Gewinne vor Steuern im vergangenen Jahr zwischen 41 und 48 Prozent gestiegen sind. Da das Chemie-Geschäft auch in den ersten Monaten dieses Jahres wieder gut verlaufen ist, dürften die Aktien von BASF, Bayer und Hoechst weiterhin zu den Börsenfavoriten zählen, zumal sie auch international als niedrig bewertet gelten können.

Im Börsenvordergrund blieben die schon im Vorjahr bevorzugten Aktien der Elektroversorgungsunternehmen. Dabei verlagerte sich das Interesse zeitweise etwas von den RWE-Aktien fort zu den Gesellschaften mit mehr regionaler Bedeutung. Daß dies berechtigt ist, zeigt der ertragsstarke Abschluß der zum Veba-Bereich gehörenden Nordwestdeutschen Kraftwerke AG, Hamburg. Der Jahresüberschuß nach Steuern hat bei den NWK im Geschäftsjahr 1975/76 (30. 9.) um 38 Prozent zugenommen. Dank steigenden Einsatzes von Kernenergie und billiger Importkohle dürfte der Überschuß in diesem Jahr noch weiter steigen. Auch bei den HEW zeigt der Gewinn steigende Tendenz. K. W.