In Kölns Medienlandschaft droht ein zartes Pflänzlein das Gleichgewicht zwischen den publizistischen Lagern, öffentlich-rechtliches Fernsehen hier und privatwirtschaftliche Zeitungsverlage dort, aus den Angeln zu heben: das Kabelfernsehen.

So stellt es sich zumindest aus der Sicht der Kölner Verleger dar, die in der Domstadt den Kölner Stadt-Anzeiger, Express und Kölnische Rundschau herausgeben.

Anlaß ihrer Befürchtung war der Vorstoß des Kölner Senders WDR, in einem rund vier Quadratkilometer großen Stadtgebiet unter eigener Regie einen Kabelfernsehversuch zu starten. Das Projekt, der Düsseldorfer Landesregierung vorgeschlagen, verspricht den an das Kabelnetz anzuschließenden Haushalten (rund zehntausend) den einwandfreien Empfang der drei vorhandenen und weiterer Programme, die bisher auf dem Ätherweg nicht bis Köln gelangten. Auch will der Sender ein Stadtteilfernsehen produzieren, das den Zuschauern neben den regionalen Informationen des Dritten Programms lokale Nachrichten liefern soll. Als besonderen Leckerbissen denkt der WDR daran, den Kölnern ein "Bürgerfernsehen" anzubieten, das die Bürger selbst veranstalten dürfen.

Beim Stichwort Lokalfernsehen begannen in den Chefetagen der Zeitungshäuser die Alarmglocken zu läuten. Immerhin: Allein die technischen Kosten des Kabelwerks wurden auf runde zehn Millionen Mark beziffert. Herstellungskosten noch gar nicht mitgerechnet. Grund genug für die Verleger, die Ohren zu spitzen. "Denn", so schloß man, "wollen die Landesregierung und der WDR den Zuschauer nicht über Gebühr zur Kasse bitten, so werden sie kaum der Verführung widerstehen können, das Finanzierungsloch mit Werbegeldern zu stopfen." Eine Entscheidung, die an den wirtschaftlichen Grundfesten der Zeitungen rütteln würde. Immerhin leben sie zu zwei Dritteln von lokalen Anzeigen, die ihnen dann mit Sicherheit entzogen würden.

Die Reaktion blieb nicht aus. In einem offenen Brief an den Ministerpräsidenten Heinz Kühn kritisierten die Verleger Alfred Neven DuMont und Heinrich Heinen, vorher weder zu Rate gezogen noch über das Projekt informiert worden zu sein.

Neben dem wirtschaftlichen Schaden fürchten sie vor allem einen Machtzuwachs der Rundfunkanstalten. Die politischen Parteien hielten sich zunächst zurück. Lediglich die CDU schien bereit, in die offene Feldschlacht zu ziehen – und zwar an der Seite der Zeitungsverleger. In Bonn plädierten die Medienexperten der Union, Christian Schwarz-Schilling und Hugo Klein dafür, einen möglichst großen Kreis Interessierter und gerade auch der privatwirtschaftlich Strukturierten Presse Zugang zu den Versuchsprogrammen zu verschaffen.

Ein besonders schweres Geschütz fuhr der Oppositionsführer im Düsseldorfer Landtag, Heinrich Köppler, auf: Es sei eine "Schweinerei", so. Köppler, daß der Intendant des WDR und seine Ratgeber dieses Projekt in einer "Nachtund-Nebelaktion" hinter dem Rücken der Aufsichtsgremien zu lancieren versucht hätten.