Die Frau des israelischen Premierministers hat mit der Cäsars eines gemein: Sie muß auch über den Schatten eines Zweifels erhaben sein. Die kleinen Devisentricks, die andere Israelis sich erlauben, viele andere – ihr und ihrem Mann sind sie verwehrt. Also hat Yitzhak Rabin, der wie seine Frau aus den Botschafterzeiten in Washington noch ein unstatthaftes Konto besaß, seinen Rücktritt erklärt. Er muß zwar noch weiter amtieren bis zu den Wahlen am 17. Mai – aber er wird sich nicht erneut um das Premiersamt bewerben. Dies tut an seiner Stelle der Verteidigungsminister Peres, der beim Parteitag vor sechs Wochen dem Amtsinhaber nur knapp unterlegen war.

Die Sache brauchte niemanden weiter zu interessieren, stünde dahinter nicht sehr viel mehr als die Frage nach der Zukunft der israelischen Politik: nämlich die nach dem Frieden im Nahen Osten. Da verspricht die Kandidatur von Peres auf Anhieb wenig Gutes. Er rückt als "Falke" in die höchste Stellung ein – in einem Augenblick, wo nur die Sanftmut der Tauben neuerliche kriegerische Verwicklungen verhindern könnte. Längst ist klar, und Präsident Carter hat es ja auch unverhüllt ausbuchstabiert, daß nur ein israelischer Rückzug – abgesehen von ein paar ausgehandelten Quadratkilometern hier oder dort – auf die Grenzen von 1967, nur die Errichtung einer nationalen Heimstätte fürdie Palästinenser, nur das Bemühen um einen Frieden ohne ewig Gedemütigte den neuen Orlog verhindern kann.

Ein bißchen erinnern die Querelen der israelischen Innenpolitik an Westberlin, wo das Abgeordnetenhaus auch auf dem Höhepunkt der Mauer-Krise und der Kuba-Konfrontation mit singulärer Hartnäckigkeit über die Straßenbahnhaltestelle am Nollendorfplatz diskutierte. Die Israelis ergeben sich kleinlichen Intrigen, wo sie große Politik betreiben müßten. Eine Zeitlang mag das ihren Urlaub von der weltpolitischen Wirklichkeit verlängern. Ihr Konto im Ausland wird es schwerlich auffüllen. Irgendwann werden sie doch Farbe bekennen müssen. Th. S.