Von Wiehard Woyke

Die Differenzen zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten sind spätestens seit der Zeit de Gaulles jedermann geläufig. Neuerdings stellen sich aber zunehmend Probleme auch im deutsch-amerikanischen Verhältnis ein, wie jüngst wieder die Auseinandersetzungen um das von der Bundesrepublik mit Brasilien abgeschlossene Atomgeschäft und um die Qualitäten des deutschen Kampfpanzers "Leopard" zeigen. Gerade auch angesichts der fast hektisch geführten Diskussion um Sinn und Zweck der sowjetischen Aufrüstung erscheint mit

Dieter Denken "Allianz im Wandel – Amerikanisch-westeuropäische Sicherheitsbeziehungen im Zeichen des Bilateralismus der Supermächte"; Alfred Metzner Verlag, Frankfurt/M. 1976, 44,– DM

eine anregende Studie, die zur Klärung der Probleme der deutsch-amerikanischen Beziehungen beiträgt.

Nach Karl Kaisers 1973 erschienener "Europäischen Herausforderung an die USA" und Manfred Kapps Sammelband über die deutschamerikanischen Beziehungen wird durch Dettkes Buch die Forschungslücke zwar nicht vollständig geschlossen, aber doch erheblich reduziert. In seiner dreiteilig aufgebauten Studie analysiert Denke zunächst die geschichtlichen Entwicklungslinien der amerikanisch-westeuropäischen Sicherheitsbeziehungen in der Nachkriegszeit. Er kömmt zu dem Ergebnis, daß die auf der Grundlage der Atlantischen Allianz in den fünfziger Jahren gewonnene militärische Stabilität mit erheblichen politischen Kosten, nämlich der Teilung Gesamteuropas und weitgehendem gesellschaftlichen Immobilismus erreicht wurde.

Der zweite Teil bildet sowohl qualitativ wie auch quantitativ das Kernstück des Buches, in dem die Akteure und ihre Interessen beim transatlantischen Dialog dargestellt werden. Dabei zeichnet Dettke besonders überzeugend den Wandel der amerikanischen Außenpolitik unter der Präsidentschaft Nixons, die die Wiederherstellung der durch den Vietnamkrieg verlorenen außenpolitischen Handlungsfreiheit zunächst zum Ziel hat, um dann anschließend die Hauptaufgaben der Außenpolitik, nämlich Ordnung der vernachlässigten Nato-Beziehungen, die Salt-Gespräche mit der Sowjetunion und die Lösung der wirtschafts- und währungspolitischen Probleme anzugehen. In diesem Kapitel gelingt es dem Verfasser, die Verbindung zwischen Sicherheits-, Wirtschafts-, Währungs- und Handelspolitik aufzuzeigen.

Dettke stellt trotz des von Kissinger 1973 einseitig proklamierten Europa-Jahres eine Solidaritätskrise zwischen den atlantischen Partnern fest, die sich nicht nur in den protektionistischen Wirtschaftsmaßnahmen und unverhüllten, gegen Europa gerichteten Drohungen Nixons manifestierte. Der Autor weist auch auf die westeuropäische Bockbeinigkeit hin, die sich besonders in der Person des französischen Außenministers Jobert in unfreundlichen, ja zum Teil feindlichen Aktionen gegen den Bündnispartner USA dokumentierte.