Hervorragend

Egberto Gismonti: "Dança das Cabeças". Das ist eine musikalische Veranstaltung von großer Eigenart und erstaunlichem Ereignisreichtum. Es beginnt mit Vogelgezwitscher und geht plötzlich über in ein unerhört farbiges Feuerwerk von aggressiven, gleichwohl lyrischen Klängen, von virtuosen, sehr artifiziell phrasierten Melodiefiguren und einem unmerklich packenden Rhythmus. Was der brasilianische Komponist und Gitarrist Gismonti hier vollführt, ist begrifflich am ehesten zu fassen als eine folkloristisch beeinflußte, außerordentlich einfallsreiche und bewegte "rhapsodische" Suite. Außer der Gitarre werden dabei (auch von Gismonti) Klavier, Flöte, Stimme und (von dem Schlagzeuger Nana Vasconcelos) etliche Perkussionsinstrumente von zum Teil lateinamerikanischer Herkunft auf höchst virtuose Weise verwendet. Ich habe selten ein dermaßen faszinierendes, vielfältiges, auch überraschendes Konzert zeitgenössischer Musik gehört wie dieses. Und nie kam mir die Einteilung in U- und E-Musik, in Jazz und Folklore oder "moderne Musik" so schwierig und so überflüssig vor wie hier. (ECM 1089) Manfred Sack

Hörenswert

Werner Lämmerhirt: "Die Dritte". Bei der dritten Schallplatte dieses Gitarristen stellen sich bald sympathische Gefühle ein. Das liegt schon am Instrument, an der ruhigen Country-Blues-Stimmung, die es verbreitet, und dann am störrischen Charme, den das schwerblütige, ländlich-spröde, scheinbar stolpernde Spiel hat. Dazu paßt der heiser-trockene, ganz uneitle, etwas scheue Gesang Lämmerhirts bei den drei Liedern von Dylan und ehester Burnett Man fühlt sich eher bei einem Kaminfeuer als bei einer geschliffenen Konzertsaal-Veranstaltung. (Stockfisch M SF 5007) Manfred Sack

Hörenswert

Wolfgang Amadeus Mozart: Flötenkonzert KV 313, Andante KV 315 / Oboenkonzert KV 314." Ob nun Auftragskomposition oder, wie die jüngere Forschung herausbekommen haben will, Bearbeitungen vorhandenen Materials: die beiden Kompositionen des Einundzwanzigjährigen gehören zum Standard-Repertoire jeden Bläsers. So müssen sich die Platten auch den Vergleich gefallen lassen – und halten ihn recht gut aus. Die beiden Solisten zählen zu den stilistisch sichersten Mozart-Interpreten, haben genau jene Mischung von Frische und Melancholie, die man an diesen Konzerten so sehr schätzt, sind zudem technisch hervorragend aufgenommen, sehr schön direkt, vor allem mit ganz wenig verfälschendem Hall. Das wohl nicht ganz klein besetzte, vor allem in den Tiefen sehr "fett" klingende Orchestre de Paris hingegen kommt nicht immer zu voller Harmonie und Homogenität, was den insgesamt so guten Eindruck etwas trübt. (Michel Debost, Flöte, Maurice Bourgue, Oboe, Leitung: Daniel Barenboim; Electrola 1 C 063302 832) Heinz Josef Herbort