Ausgerechnet in der Flaute: Zum erstenmal droht ein Bauarbeiterstreik

Von Werner Mühlbradt

Die Kollegen werden sich wundern, wenn in der ersten Lohntüte des Monats Mai der gewohnte Zuwachs ausbleibt", meinte ein Funktionär der Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden mit leichter Resignation nach dem Scheitern der Mannheimer Schlichtungsverhandlungen. Zum erstenmal seit dem Zweiten Weltkrieg wird offen von Streik am Bau gesprochen.

Allerdings, die Partie ist noch nicht entschieden. Es ist durchaus denkbar, daß die Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft, die den Lohn für mehr als eine Million gewerbliche Arbeitnehmer dieses Wirtschaftszweiges aushandeln, noch einmal an den Verhandlungstisch zurückkehren. Denn der alte Vertrag läuft noch bis zum 30. April; bis dahin gilt für beide Seiten die Friedenspflicht.

Erst nach und nach wurde jetzt bekannt, wie es zu dem Eklat kommen konnte und was sich hinter den Kulissen abspielte. Die Karten sind von beiden Seiten weitgehend ausgereizt. "Wir erwarten den nächsten Wink von der Gewerkschaft", sagte ein Vertreter der Bauunternehmer, die offenbar abwarten wollen.

Die IG Bau hat in dieser Lohnrunde ein Bild völligen Durcheinanders geboten. Ein neues Lehrstück der Tarifpolitik liegt auf dem Tisch. Zum erstenmal probierte die Baugewerkschaft eine "Lohnpolitik mit Zahlen" – und fiel prompt herein.

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