Als der Stuttgarter Korrespondent des Spiegel, Eberhard Hungerbühler, vor zwei Jahren auf einer Müllkippe im Badischen strahlenverseuchtes Material aus dem Atomkraftwerk Obrigheim fand, war die Idee geboren. Er schrieb unter dem Pseudonym Felix Huby einen Kriminalroman ("Der Atomkrieg in Weihersbronn", rororo-thriller), der das vieldebattierte Thema "Sicherheit der Kernkraftwerke" auf seine Weise behandelt: Ein Toter (verbrüht durch radioaktiven Dampf), Bürgerinitiativen, Terroristen des Roten Bataillons (natürlich aus Berlin-West), Erpressungsversuche, trotz aller Sicherheitsvorkehrungen gestohlene Ionenaustauscher – kurz, ein Krimi, der von der Realität gar nicht so weit entfernt ist.

Die Geschichte mit den radioaktiven Substanzen auf der Müllkippe beschrieb der Autor für sein Nachrichtenmagazin, alles weitere war dann, was ein Student der Publizistik die "Aufarbeitung aktueller Vorgänge" nennen würde. Eberhard Hungerbühler alias Felix Huby kennt die Problematik Atom und Umwelt: Er war Redakteur und Chefredakteur einschlägiger Zeitschriften und bearbeitet heute Umweltfragen.

Die Helden seines Atomkriegs in Weihersbronn sind ein gemütlicher schwäbischer Kommissar, eine rechte Tatortfigur, der seinen Trollinger schlotzt und den Fall rekapituliert: "Ein Journalist wird auf die Suche nach Atommüll geschickt (blödsinnige Idee); er fragt einen Umweltschützer nach der Lage der in Frage kommenden Müllkippe (liegt ja nahe). Vielleicht hat der Doktor ein paar Gesinnungsgenossen davon erzählt (ziemlich unwahrscheinlich, oder?). Der Journalist findet, was er sucht und doch nie zu finden glaubte, auf Anhieb (weit mehr als ein Zufall). Im Kraftwerk wird entdeckt, daß das strahlende Material tatsächlich dort verschwunden, beziehungsweise weggekommen ist (da hat einer ursprünglich für einen anderen Plan vorgesorgt). Ein Mann wird verdächtigt, weil er gegen den Ausbau des Kraftwerkes ist (vermutlich ein Opfer blödsinniger Spekulationen). Der Mann will sich rehabilitieren; er hat einen Verdacht (wahrscheinlich mehr als einen Verdacht), aber er ist ungeschickt, verrät, was er vermutet oder schon ermittelt hat und muß sterben (der Dieb und der Mörder ist ein und dieselbe Person), Aber warum hat er schon vor Wochen die Ionenaustauscher mitgehen lassen...?"

Dann ist da noch die junge Lokalreporterin, die den aus Hamburg angereisten Kollegen erst "Reporterschwein" nennt und ihm dann Spiegeleier brät. Last not least ist da jener Journalist Kilper, der auf der Müllkippe wühlt, alles aufdeckt und mit seiner Redaktion Telephonate führt, die genauso auch in der Redaktion des Spiegel – so wenigstens heißt es – ablaufen: "Ja, Kilper!‘, ‚Was ist denn mit Ihnen los? Seit wann seufzen Sie ihren eigenen Namen?‘ fragt der Ressortchef aus Hamburg. ,Diese Scheißbandscheibe!‘ ,Ausgerechnet jetzt? Das sollten Sie sich für später aufsparen! ‚Ich wußte doch, Mitgefühl ist Ihre starke Seite‘, knurrt Kilper und kriecht wieder unter die Bettdecke; ‚Was ich Ihnen sagen wollte: Die Story ist top, und wir haben sie noch untergekriegt. Eine Vorausmeldung an dpa ist gestern abgegangen, muß heute überall in den Nachrichten laufen... Sie sind am nächsten dran, und Sie bleiben dran. Und sorgen Sie dafür, daß Sie vorne bleiben, klar?‘ ‚Also, da war ich nie drauf gekommen’, raunzt Kilper, ,Soll ich Ihnen noch einen Mann schicken?‘ ‚Wenn, dann höchstens eine Frau.‘ Auch das können Sie sich sparen‘, bellt der Chef. Kilper bellt zurück: ,Dieser Verlag hat keine echten Sozialleistungen!‘ Es klopft an der Tür. ‚Chef, bei mir klopft es – ich muß auflegen‘, sagt Kilper. ‚Ich denke, das ist die Polizei; die haben sich schon angekündigt.‘ "Also, nicht vergessen: Wir müssen immer das Doppelte von den anderen wissen, und das noch doppelt so schnell.’ ‚Ja doch‘, knurrt Kilper, sollen Sie haben. Soll ich’s als Schmuckblattelegramm durchgeben?‘ Er knallt den Hörer auf die Gabel."

Wer also wissen will, was um ein Atomkraftwerk herum alles passieren könnte, und wie es bei Journalistens so zugeht, unterhält sich bei Huby gut. H. K.