Jetzt sollen auch die Shampoos und Kosmetikprodukte Krebs hervorrufen. Beim Jahrestreffen der Chemical Society in New Orleans berichteten Chemiker einer Forschungsfirma in Massachusetts und des Massachusetts Institute of Technology, daß sie bei komplizierten Analysen in vielen Kosmetika N-Nitrosodimethylamin (H3C)2N-NO, einen Stoff aus der Gruppe der Nitrosamine (Kürzel: NDELA) identifiziert haben. Und diese Substanz ruft bei Versuchstieren, die damit gefüttert werden, Leberkrebs hervor. Die Forscher glauben, daß NDELA in den Kosmetik-Fabriken bei einer chemischen Reaktion von Nitrit mit einem Additiv, dem Triethanolamin oder dem Diethanolamin entstehen könnte. Triethanolamin ist eine Substanz, die industriell als ein "Vehikel "benutzt wird, um Chemikalien in Papier oder Holz eindringen zu lassen. Möglich ist daher, so befürchten die Wissenschaftler, daß NDELA die Eigenschaft hat, durch die Haut vom Körper absorbiert zu werden. Dann aber könnte die Substanz ebenso wirken, als wenn man sie eingenommen hätte. Diese Sorge teilten die an dieser Forschung beteiligten Chemiker vorsorglich der US-Lebens- und Arzneimittelbehörde mit. Den höchsten Anteil an NDELA fanden sie in "Ultralucent Whipped Creme Makeup" von Max Factor, den zweithöchsten in "Moondrops" von Revlon, gefolgt von "Silk Fashion" von Helena Rubinstein. Gesichtswasser und Shampoos enthielten weniger NDELA, von den Lotionen war es Johnson & Johnson Baby Lotion, die den höchsten NDELA-Anteil aufwies, von den Shampoos hielt "Herbai Essence" von Clairol diese Spitze.

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Metallene Gläser, Legierungen, die aus der Schmelze so schnell abgekühlt worden sind, daß sie keine Zeit zum Kristallisieren fanden und daher amorph erstarrten, finden wegen ihrer bemerkenswerten Eigenschaften vielfache Anwendung (ZEIT Nr. 5/1976). Jedoch ist die Herstellung solcher Metgläser bisher nur in Form von Blechen gelungen, weil sich größere Körper nicht schnell genug abkühlen lassen. Ein Verfahren, um diese Schwierigkeit wenigstens teilweise zu umgehen, beschreiben amerikanische Physiker in der letzten Nummer der Fachzeitschrift Physics Today (Vol. 29, Nr. 11). Es ermöglicht, die Oberfläche eines Körpers in eine dünne, korrosionsbeständige Schicht aus Metglas zu verwandeln. Kernstück des Prozesses ist ein starker Kohlendioxidlaser. Sein Strahl wird mit einem Hohlspiegel auf das Objekt gebündelt, das auf einer rotierenden Scheibe liegt und mit kaltem Edelgas angeblasen wird. Die vom Strahl des Lasers getroffene Oberflächenschicht schmilzt, wird beim Weiterdrehen durch das kalte Glas sofort wieder abgekühlt, und erstarrt als Metglas. Interessant ist das Beispiel eines teilweise bestrahlten Stahls: Unter dem Elektronenmikroskop zeigte der unbestrahlte Teil viele kleine Risse in der Oberfläche, die den Stahl korrosionsanfällig machen. Im bestrahlten Teil waren die Risse zugeschmolzen, die Oberflächenhärte und die Widerstandsfähigkeit waren um ein Vielfaches gestiegen.

Männer, die in einer pharmazeutischen Fabrik in Puerto Rico an der Produktion von Antibabypillen arbeiten, bemerkten plötzlich eine ungewöhnliche Zunahme an Körpergewebe – ihnen schwollen die Brüste. Zugleich klagten diese Arbeiter über einen Rückgang ihrer Liebeslust. Frauen in der gleichen Fertigungsstätte litten unter außergewöhnlich starken Vaginalblutungen. Untersucht hat dies Dr. Malcolm Harrington, ein Epidemiologe im US-Gesundheitsministerium. Er belegte damit einen langgehegten Verdacht, wonach Arbeiter in Chemielabors, die Sexualhormone herstellen, von dort möglicherweise herrschenden Luftverunreinigungen mit diesen Chemikalien Gesundheitsgefahren drohen.

Wer weiß, ob im Fruchtjoghurt der Zukunft noch Frucht enthalten ist? Es könnte nämlich auch der Fruchtersatz sein, der am Massachusetts Institute of Technology entwickelt worden ist. Aus allerlei natürlich vorkommenden Chemikalien, aus Natriumalginat, das in Algen enthalten ist, Pektin, dem Bestandteil vieler Früchte und Gemüse, dem tierischen Eiweiß Gelatin und aus Rohrzucker stellten die Nahrungsmittelchemiker der berühmten Universität am Charles River Gelees her, deren Fruchtgeschmack auch von empfindlichen Gaumen für absolut echt gehalten wird, Erdbeer-, Ananas-, Pfirsich-, Kirsch- und Bananengelee. Nur mit der Konsistenz hapert es noch, sonst könnte man sogar das Fruchtfleisch imitieren, also regelrechte Früchte aus der Retorte zusammenbasteln. Und wozu das Ganze? Synthetische Fruchtgelees verderben nicht, was etwa für die Astronautennahrung wichtig sein kann. Außerdem enthält das Produkt nur Substanzen; die im allgemeinen von Allergikern vertragen werden – wer vom Erdbeergenuß Hautausschlag bekommt, braucht ihn beim MIT-Erdbeergelee nicht zu fürchten. Schließlich, so der Leiter der Forschergruppe, Professor Flink: "Wo nur Fruchtgeschmack verlangt wird, zum Beispiel im Joghurt, könnte die Verwendung echter Früchte eine teure Verschwendung werden."