Überheißes, an Metallsalzen reiches Wasser, das drei Kilometer unter dem Meeresspiegel aus Spalten des Meeresgrundes steigt und wahrscheinlich die Geburtsstätte von Erzvorkommen darstellt, ist das Tauchziel einer Gruppe amerikanischer Meeresforscher von verschiedenen Instituten, die sich hier in einer Gemeinschaftsarbeit zusammenfinden. Die Stelle, der ihr Interesse gilt, liegt etwa 400 Kilometer nordöstlich der Galapagos-Inseln im Pazifik. Hier berühren sich zwei geotektonische Platten: die Cocos-Platte, die sich unter den Kontinentalrand von Nord- und Mittelamerika schiebt und für die dort nicht seltenen Erdbeben verantwortlich ist, und die Nazca-Platte, die dasselbe für Südamerika bedeutet und dort die Anden aufgefaltet hat. Die wagemutigen Meeresforscher – es sind drei Frauen darunter – haben das bewährte Forschungsunterseeboot "Alvin" ausgerüstet und werden außerdem vom Forschungsschiff "Knorr" des Meeresforschungsinstituts Woody Hole im US-Bundesstaat Massachusetts, das mit Laboratorien, Probensammlern und Spürgeräten bestückt ist, unterstützt.

Alvin besitzt als Passagierkabine eine druckfeste Titankugel von zwei Metern Durchmesser, die zwei Wissenschaftlern und einem Steuermann Platz bietet. Es ist mit Instrumenten zur kontinuierlichen Messung von Temperatur, Salzgehalt, Säuregrad und Sauerstoffgehalt ausgerüstet und besitzt Einrichtungen zum Sammeln und Filtrieren von Wasserproben. Die Wissenschaftler sind entschlossen, wie der Leiter des Unternehmens, Dr. John B. Corliss von der Oregon State University, mitteilt, sich mit dem U-Boot in die Gebiete überhitzten Wassers vorzuwagen. Sie rechnen dort mit Wassertemperaturen von über 200 Grad Celsius; wegen des hohen Drucks in dieser Tiefe kocht das Wasser nicht.

Obwohl Berührungsstellen von Kontinentalschollen nicht gerade selten sind, kennt man doch nur wenige Gebiete, die ähnliche Verhältnisse bieten wie die Gegend bei Galapagos. So finden sich am Grunde des Roten Meeres Löcher, die mit sehr heißem, metallreichen Wasser gefüllt sind. Offenbar steigt in diesen Spalten Wasser auf, das an anderen Stellen in den Meeresgrund gesickert ist, und sich bei Berührung mit heißer Lava aufgeheizt und mit gelösten Metallsalzen angereichert hat. Der Wasserkreislauf ähnelt also dem in einer Kaffeemaschine. Der größte Teil der gelösten Metalle scheidet sich in der Umgebung der Austrittsstelle, meist als Verbindung mit Schwefel, wieder aus, und viele Geologen sind der Ansicht, daß diese Erzausscheidung den ersten Schritt zur Bildung von Lagerstätten darstellt. Wird die Scholle mit dem Erzvorkommen unter einen Kontinentalrand gepreßt, so nimmt sie den größten Teil des Erzes mit ins Erdinnere, ein Teil aber wird "abgeschabt" und bei der Auffaltung der Gebirge an die Erdoberfläche gehoben. So erklären sich der Reichtum etwa der Anden an Kupfer-, Gold-, Silber- und Zinnlagern, die Kupfervorkommen von Neufundland, das Zinn Südwestenglands und die reichen Erzvorkommen an der afrikanischen Westküste. Rainer Köthe