Das britische Gesellschaftsspiel der Selbstverspottung geht Premierminister James Callaghan inzwischen zu weit. "Wir können uns nicht länger erlauben, uns selbst herabzusetzen, denn wir kämpfen ums Überleben", donnerte der Premier, nachdem er von einer Amerikareise heimgekehrt war. Es sei endlich an der Zeit, britische Erfolge ins rechte Licht zu rücken.

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Für die Sunday Times war diese Aufforderung überflüssig. Seit Anfang Januar führt das Sonntagsblatt eine Kampagne "Erfolg im Export". Seit ihrer Einladung an die Exporteure, ihr Licht nicht länger unter den Scheffel zu stellen, kommen Erfolgsberichte "waschkorbweise" ins Zeitungshaus. Das Blatt hatte bisher wenig Mühe, seine Spalten mit Siegesnachrichten von der Exportfront zu füllen, wo sich die Nation im Gegensatz zu verbreiteten Ansichten im Vormarsch befindet.

Die Sunday Times entzückt ihre Leser mit einer bunten Mischung von Erfolgsgeschichten, in denen furchtlose britische Verkäufer widrige Vorschriften unterlaufen oder Sprachbarrieren überspringen, Panzerplatten nach Persien oder Kinderwagen nach Italien verkaufen, die Pferde deutscher Olympiareiter mit Sätteln versehen und Saatkartoffeln in Frankreich losschlagen.

Sogar der "unsichtbare" Export, die Einnahme aus Dienstleistungen, wird nicht vergessen. Die Privatschule St. Ninian’s in Schottland bezieht 55 Prozent ihres Einkommens aus dem Ausland, wo Rektor Peter Spencer während seiner Ferienreisen unter bildungsbeflissenen Nicht-Briten Akquisition betreibt.

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"Unsichtbaren" Export betreibt auch Schäfer Keith Rennels aus Oxfordshire. Er bringt einem Collie französische Kommandos bei, nachdem ein Farmer aus Haute Savoie Interesse an einem englischen Schäferhund angemeldet hat. Schäfer Rennels’ französische Sprachkenntnisse sind begrenzt. Aber: "Ich habe mir einige Orders auf das Handgelenk geschrieben, und wir kommen damit ganz gut zurecht", berichtet der Exporteur.