Der Kreml nutzt mit Kubas Hilfe Amerikas Schwächen für sich aus

Von Horst Bieber

Wochenlang sah es so aus, als müßten sie sich auf ihren afrikanischen Rundreisen irgendwo treffen, der quirlige, spontane und von den Afrikanern begeistert gefeierte Fidel Castro und der nüchterne, etwas griesgrämig wirkende und eher respektvoll begrüßte Nikolai Podgorny. Aber der sowjetische Staatspräsident und der kubanische maximo lider hielten sich an das Konzept des "Getrennt marschieren und vereint schlagen". Erst in Moskau trafen sie vorige Woche zusammen und verkündeten dort noch einmal gemeinsam, was sie in vielen Kommuniques und Resolutionen bereits separat bekräftigt hatten: Die Sowjetunion und Kuba werden alle afrikanischen Kämpfer gegen Rassismus, Imperialismus und (Neo-)Kolonialismus noch massiver, noch entschiedener als in der Vergangenheit unterstützen. Der Kreml und sein karibischer Trabant haben den afrikanischen Kontinent zum ideologisch-politischen Kriegsschauplatz erklärt.

Die Polit-Safaris der beiden Staatsmänner dienten einem doppelten Zweck. Podgorny konnte in Tansania und Sambia seine vordem eher zurückhaltenden Gastgeber bewegen, die sowjetische Rolle im Befreiungskampf lobend zu würdigen, und damit den alten afrikanischen Vorwurf ausräumen, Moskau verfolge nur eigennützige Interessen – was sich im Nahen Osten, in Indien, in Indochina und in Lateinamerika nur zu deutlich erwiesen habe. In Moçambique konnte der Kreml-Sendbote nach den Abkommen mit Angola und Somalia den dritten Freundschaftsvertrag mit einem afrikanischen Staat unter Dach und Fach bringen. Er sieht zwar militärisch nicht den automatischen Bündnisfall vor, wohl aber die Möglichkeit, daß Moçambique "im Falle einer militärischen Bedrohung" – Rhodesien wird nicht erwähnt – die Sowjets konsultiert und um Unterstützung bittet. In Somalia schließlich redete Podgorny dem verbündeten Präsident ten Siad Barre ins Gewissen, die sowjetischäthiopische Annäherung nicht durch feindselige Aktionen gegen Addis Abeba zu durchkreuzen.

Ganz anders verlief die Besuchstour des Kubaners durch Libyen, den Südjemen, Somalia, Äthiopien, Tansania, Moçambique und Algerien. Die Afrikaner feierten den Befreiungshelden – den Mann, der keine Weltmachtinteressen verficht und sein sozialistisches Modell nicht mehr exportieren will, sondern bloß uneigennützige Hilfe leisten möchte. "Wir sind ein kleines Land mit begrenzten Kräften und Möglichkeiten. Aber wir betrachten es als unsere Pflicht zu kämpfen", sagte Castro bei seiner Stippvisite in Ostberlin. In Algerien, Guinea, Guinea-Bissau, Mocambique, Tansania, Südjemen, Somalia und in der Volksrepublik Kongo, wo kubanische Techniker und Instrukteure arbeiten, in erster Linie Schwarze, sind die Führer mehr denn je bereit, seinen Worten Glauben zu schenken. Castro ist in diesen Staaten eine Art Gütesiegel: Er symbolisiert die Möglichkeit, sich aus westlicher Vorherrschaft zu lösen, ohne zwangsläufig in Moskaus Satelliten-Sog zu geraten.

Der Kubaner betonte seine Unabhängigkeit immer wieder mit großem Geschick. Er stehe fest im-sozialistischen Lager, versicherte er in Algerien, aber er sei kein Befehlsempfänger Moskaus. Befehl und Gehorsam seien schließlich dort überflüssig, wo gemeinsame Ziele und Interessen eine sachgegebene Arbeitsteilung geradezu aufdrängten: Kuba zuständig für die praktische Hilfe, Moskau für die politische Rückendeckung und die wirtschaftlich-finanzielle Absicherung.

In der Tat läßt sich die kubanisch-sowjetische Kooperation in Afrika nicht mit dem Schema