In diesen Wochen präsentieren die deutschen Großbanken die zweitbesten Jahresabschlüsse in ihrer Nachkriegsgeschichte. Dies im einzelnen nachzuweisen, fällt deshalb nicht leicht, weil sich jedes Institut schon in der Bilanzierung für 1976 mit den Auswirkungen der Körperschaftsteuerreform beschäftigt hat. Das erschwert sowohl den Vergleich mit den 1975er Ziffern als auch einen Vergleich der vorliegenden Bilanzen der Deutschen Bank, Dresdner Bank und Commerzbank untereinander. 1977 wird ebenfalls noch ein Jahr des Übergangs werden. Danach kann es erst wieder "normal" weitergehen.

Das geht auch die Aktionäre an. Sie werden mit dem Abschluß 1976 Abschied von bisherigen Dividendenvorstellungen nehmen müssen. Die Vorstände aller drei Institute haben durchblicken lassen, daß für 1977 die Bardividende gekürzt werden wird. Bei der Deutschen Bank sprach der Vorstand von einem Rückgang auf die sogenannte Null-Linie. Sie ergibt sich aus der Formel: Bei gleicher Ertragslage und gleicher Rücklagenbildung kann die Bardividende unter Berücksichtigung der erhöhten Körperschaftsteuer bei "x" liegen; "x" wären bei der Deutschen Bank weniger als 17 Prozent.

Jetzt bekommen die Aktionäre noch einmal 20 Prozent. Eine höhere Bardividende könnte nur zu Lasten der Rücklagenbildung gehen. Das will jedoch niemand wegen der ständig ansteigenden Risiken, besonders im internationalen Geschäft, verantworten.

An der Börse wird davon ausgegangen, daß die Deutsche Bank und die Dresdner Bank ihre Bardividenden für 1977 – sollte das Geschäftsjahr nicht noch Überraschungen bringen – auf 8,50 Mark zurücknehmen werden. Mögliche Mißverständnisse internationaler Investoren durch eine falsche Auslegung, der nach außen hin als Dividendensenkung erscheinenden Ausschüttungskürzung müssen in Kauf genommen werden. Der inländische Aktionär wird durch die ihm auszuhändigende Steuergutschrift von 4,78 Mark zu einer echten Aufbesserung von bisher 10 auf 13,28 Mark kommen. Bei der Commerzbank, die bei ihrer Standarddividende von neun Mark auch für 1976 geblieben ist, dürfte es ebenfalls eine entsprechende Rücknahme der Bardividende geben.

Die Erträge des Jahres 1976 haben bei den Großbanken ausgereicht, die offenen Reserven im gleichen Maße zu dotieren wie in 1975. Also auch hier keine Änderung. Ins Auge springt dagegen die unterschiedliche Entwicklung der Einkommen- und Vermögensteuerposition. Bei der Deutschen Bank erreichte sie mit 279 Millionen einen neuen Rekordstand, bei der Dresdner Bank lag sie mit 104 um etwas mehr als 20 Prozent niedriger als 1975, bei der Commerzbank mit 85,3 um fast 30 Prozent niedriger.

Natürlich ist die Ertragsentwicklung der großen Drei nicht so voneinander abweichend gewesen, wie die Steuerposition auszusagen sdieint. Hier zeigt sich, daß man dem Problem Körperschaftsteuererhöhung auf unterschiedliche Weise Herr werden will. Die Dresdner Bank und die Commerzbank haben versucht, einen möglichst hohen Teil ihrer Überschüsse steuermindernd zu verwenden, als Einzelwertberichtigungen oder zur weiteren Auffüllung der Pensionsrückstellungen bis an, die gesetzlich zulässige Grenze. Die Deutsche Bank hielt sich sowohl mit der Dotierung der Pensionsrückstellungen als auch mit Wertberichtigungen auf Kredite zurück. "Ohne in der Bewertung der Risiken milder zu verfahren", versicherte Friedrich W. Christians, einer der beiden Vorstandssprecher der Deutschen Bank. Welches Institut mit seiner Gewinnverwendungsmethode letzlich besser fahren wird, werden wir erst, meine verehrten Leser, in einigen Jahren feststellen können.

Auch die Deutsche Bank zeigt deutliche Ertragschwächen. So ist bei ihr das Betriebsergebnis von 949 auf 832 Millionen Mark zurückgegangen, also um 12,3 Prozent. Bei der Dresdner Bank sank es um knapp 10 Prozent, bei der Commerzbank um 14,4 Prozent. Ein Vergleich der absoluten Zahlen führt in die Irre, weil die Institute ihr Betriebsergebnis unterschiedlich errechnen.