Von Rainer Frenkel

Nur eine Ausrede oder doch ein Argument? Peter Weiher sagt: "Über den Preis können wir bei der scharfen Wettbewerbssituation unseren Marktanteil nicht ausbauen."

Was der neue Ford-Chef da von sich gibt, mutet an wie die Schutzbehauptung eines profitbesessenen Konzernherrn. Gilt denn die Schulbuchweisheit nichts mehr, daß aber auch gar nichts den Wettbewerb eindeutiger zeige als ein heftiger Preiskampf? Daß gerade da, wo an der Preisfront Ruhe herrscht, der Monopolist zu Hause ist?

So paradox das klingen mag: Auf dem Markt der Durchschnitts-Autos gilt diese Wahrheit tatsächlich nichts. Hier, wo nur wenige Anbieter operieren, könnte allein der, der den Markt beherrscht, einem andern über längere Zeit einen Preisvorteil erlauben. Oder umgekehrt: Der Gleichschritt in der Preispolitik spricht eher für als gegen das Funktionieren des Wettbewerbs. Nur, der findet nicht über den Preis statt (was den Verbraucher ärgern mag und die Hersteller jedenfalls erfreut), sondern über das Produkt.

So monoton wie diesmal war der Gleichschritt freilich noch nie. Innerhalb einer Woche erhöhten alle drei Otto-Normalfahrer-Anbieter – VW, Opel und Ford – ihre Preise um einhellig 3,9 Prozent, jedenfalls im Durchschnitt. Soviel Eintracht der ohnehin zur Nachahmung neigenden Branche hatte das Bundeskartellamt mit einem Brief an die drei zuwege gebracht, der die Mahnung enthielt, es mit den Preisen diesmal nicht zu toll zu treiben.

Nun kann zwar das Amt da so einfach nichts verbieten, doch die Hersteller hatten – wenn auch widerwillig – begriffen, daß Autopreise ein Politikum sind und es nicht gut tut, wenn die Politik von der Branche Besitz ergreift.

Zu dieser Einsicht bedurfte es allerdings einer Leistung des Weiher-Vorgängers und -Protektors Robert A. Lutz, der vor einem Jahr die Preise noch während der Tarifverhandlungen erhöht hatte. Da hatte es Weiher diesmal leichter, denn die feinfühligen Konkurrenten pflegen einander in der Rolle des Buh-Manns, des ersten also, der die Erhöhung bekannt gibt, abzulösen. Da konnte sich Ford diesmal zurückhalten, VW übernahm die undankbare Aufgabe.