Versprechen, die nicht eingehalten werden

Von Udo Sei wert

Wer sich in der Bundesrepublik "Betriebwirt" nennt, muß sich fragen lassen, wie er zu diesem Titel gekommen ist. Denn in keiner anderen wissenschaftlichen Fachrichtung ist eine ähnliche Inflation von Titeln und Abschlüssen festzustellen. Wie Pilze sind in den vergangenen Jahren Fachhochschulen, staatliche und private Lehrinstitute der unterschiedlichsten Qualität aus dem Boden geschossen, die nur ein Ziel gemeinsam haben: Sie wollen Betriebswirte produzieren. Das Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung hat bisher vierzig bis fünfzig verschiedene Abschlüsse ermittelt, die sich allein bei den staatlich geprüften Betriebswirten auf dreißig verschiedene Fachrichtungen verteilen.

Und alle Institutionen mit betriebswirtschaftlichen Ausbildungsgängen versprechen ihren Absolventen den Aufstieg in die mittleren, gehobenen und höheren Chefetagen in Wirtschaft und Verwaltung. Ein Versprechen, das sie niemals Inhalten können. Die Betriebswirte-Ausbildung scheint immer mehr zu einer Prestigefrage für die Institute zu werden. "Es ist weder einzusehen, welcher Sinn in dem Nebeneinander so vieler Abschlüsse liegen soll, noch ist erkennbar, wodurch sich die Abschlüsse in ihrer Endqualifikation und in ihrer Verwertbarkeit unterscheiden", merkt das Bundesinstitut für Berufsbildungsforschung kritisch an.

Die untere Stufe der Betriebswirte-Hierarchie ist vom "praktischen Betriebswirt" besetzt. Seine Ausbildung dauert achtzehn Monate und wird sowohl im Vollzeitunterricht als auch "nebenberuflich" im Teilzeitunterricht erteilt. Als Zugangsvoraussetzung werden eine abgeschlossene Berufsausbildung und mehrere Jahre Praxis verlangt.

In der Mittelstufe haben sich die "staatlich geprüften" Betriebswirte angesiedelt. Ihre Ausbildung beruht auf einem Beschluß der Kultusministerkonferenz aus dem Jahr 1974 und ist bundesweit verbindlich geregelt. Die Ausbildung dauert mindestens zwei Jahre und ist in eine Grund- und Fachstufe aufgeteilt. Einige Institute verlangen vor dem Weiterstudium in der vertiefenden Fachstufe eine Zwischenprüfung. In fast allen Fällen erfolgt die Ausbildung im Vollzeitunterricht, jedoch gibt es ebenso Angebote, die ein Teilzeitstudium ermöglichen. Pro Semester sind inzwischen 1500 und 2000 Mark Gebühren fällig. Vorausgesetzt werden der Haupt- oder Realschulabschluß oder eine abgeschlossene Berufsausbildung mit zwei zusätzlichen Jahren Praxis. Eine finanzielle Förderung ist nach dem Arbeitsförderungsgesetz (AFG) möglich.

Drei Jahre Praxis im Beruf