Doch die Welt der "staatl. gepr." ist schon lange nicht mehr in Ordnung. 1975 hat die Bundesanstalt für Arbeit die Arbeitsämter angewiesen, bei der Förderung härtere Maßstäbe anzulegen. Die Zweckmäßigkeit dieser Ausbildung wurde in Frage gestellt. Heute muß der Bildungsinteressierte an einem Beratungsgespräch teilnehmen, in dem ihm die Berufschancen nach der Ausbildung geschildert werden. Außerdem wird vor der Förderungszusage eine mindestens dreijährige Berufspraxis verlangt. Der Interessent muß sich dann noch verpflichten, nach dem Examen erst wieder eine angemessene Zeit als Arbeitnehmer tätig zu werden, bevor er die nächste Ausbildungsmaßnahme absolvieren kann.

Wie weit die Ausbildung in der Unter- und Mittelstufe schon ausgewuchert ist, kann man daran erkennen, daß die Akademien für praktische Betriebswirtschaft in ihrem "Topkurs-Studienprogramm" allein dreizehn Wirte betriebswirtschaftlicher Richtungen anbieten.

Diese Spezialisierung hat auch vor den "gehobenen und höheren" Betriebswirten nicht haltgemacht. Als Zugangsvoraussetzung gelten hier allgemein die Fachhochschulreife, die fachgebundene Hochschulreife oder das Abitur. Somit hat der Interessent dann die Wahl zwischen einer mehr theoretisch-wissenschaftlichen oder einer mehr an der Praxis orientierten Ausbildung. Die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademien der einzelnen Bundesländer bieten seit einigen Jahren die Ausbildung zum "Betriebswirt (VWA)" an, die allerdings auch im Rahmen der Berufsfortbildung absolviert werden kann.

Ökonom oder Kaufmann?

Auch die duale Ausbildung Schule/Betrieb führt über eine Lehre als Industriekaufmann zum Betriebswirt. Während dieser Zeit ist der Student Angestellter im Betrieb und wird von diesem nach Abschluß der Ausbildung auch meist übernommen. Dazu ein Beispiel aus Rheinland-Pfalz: An den Berufsakademien wird der Interessent in drei Jahren innerhalb einer dualen Ausbildung zum "Betriebswirt (BA)" ausgebildet. Nach zwei Jahren muß er eine Zwischenprüfung ablegen und darf sich bei Erfolg "Wirtschaftsassistent (BA)" nennen. Der Lehrstoff wird im Vollzeitunterricht (neun Wochen Theorie, fünfzehn Wochen Praxis) vermittelt. Der Auszubildende genießt während dieser Zeit den Status eines Angestellten im Betrieb und den eines ordentlichen Studenten. Als weitere Zugangsvoraussetzung muß neben dem Abitur ein Ausbildungsvertrag mit dem Betrieb vorgelegt werden.

Gegen die dualen Ausbildungsgänge haben die Fachhochschulen den größten Widerstand geleistet. Immerhin galten diese bisher als die idealste Verbindung von Theorie und Praxis. Als Voraussetzung zum Fachhochschulstudium werden die Fachhochschulreife und ein einjähriges Wirtschaftspraktikum gefordert. Nach sechs Semestern erlangt der Student den Hochschulabschluß "Betriebswirt (grad.)". Nach dem vierten Semester besteht die Möglichkeit, auf eine Universität überzuwechseln. Durch eine enge Anlehnung an die Theorie ist allerdings die Praxis in vielen Fällen etwas zu kurz geraten, was viele Studenten nach dem Studium zu spüren bekommen.

In dieser für die Fachhochschule unerquicklichen Situation hat die Fachhochschule Mainz II einen neuen Ausbildungsgang vorgeschlagen. Die Fachrichtung Finanz und Steuerwesen führte sogenannte "berufsintegrierende Studiengänge" ein, deren Teilnehmer gleichzeitig Angestellte im Betrieb und Studenten sind. Die Studiendauer ist auf neun Semester konzipiert und schließt mit dem graduierten Betriebswirt ab.