J.M-M.: Diplomatie und zwei Möglichkeiten

Daß es in hohem Maße unmoralisch sei, Beziehungen zu Idi Amin Dada, dem verbrecherischen Staats-Chef von Uganda, zu unterhalten, ist eine weitverbreitete, jedoch keine allgemein geteilte Meinung bei uns zu Lande. Tatsache ist ja, daß die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen zu Uganda unterhält. Es müssen also einige wenige Menschen unter uns Deutschen leben, denen es um Beziehungen zu Idi Amin Dada zu tun ist. Schade, daß dies ausgerechnet die Regierenden sind. Vielleicht müssen wir noch einen Menschen hinzuzählen: den Dr. Richard Ellerkmann, der als deutscher Botschafter drei Jahre lang in Uganda gewirkt hat und unlängst nach Deutschland zurückgekehrt ist. Aber ganz sicher sind wir in dieser Vermutung nicht.

Die Süddeutsche Zeitung brachte an prominenter Stelle die kurze, aber mit hübscher Schlangenlinie unterstrichene Meldung, daß die offizielle Zeitung des Diktators Idi Amin, nämlich die Stimme Ugandas, dem scheidenden deutschen Botschafter das Zeugnis ausgestellt habe, er werde bei seiner Rückkehr nach Bonn ein "guter Botschafter Ugandas" sein und der "bösartigen Propaganda entgegentreten, die gegen Uganda im Gange" sei.

Vom selben Botschafter Ellerkmann wußte die Stimme Ugandas ein Wort zu zitieren, über das man ihn gern selber befragen möchte, etwa so: "Ist es wahr, Herr Dr. Ellerkmann, daß Sie gesagt haben, Ihre Zeit in Uganda sei wunderbar gewesen, und Sie schieden ungern? Und wie, bitte, haben Sie das gemeint?"

Es ist möglich, wenn nicht sogar wahrscheinlich, daß die Stimme Ugandas schlicht gelogen hat. Was aber für den Fall, daß sie die Wahrheit sagte?

Wir sind hier beim alten Spiel von den "beiden Möglichkeiten". Nicht wahr? Es mag dem Dr. Ellerkmann die Landschaft am Nil mit den – Krokodilen gut gefallen haben. Vielleicht gab es ja noch viele andere Tiere; die ihn interessierten. Ob er Jäger ist? Wahrscheinlich hat er das Leben in einem Staate, wo die Menschen ohne sichtbare Ursache verschwinden können – "einfach so" – aus diesem tierliebenden Grunde hingenommen. Vielleicht war’s aber auch seine Pflicht als Diploma:, nicht zu sehen, was es für normale Menschen zu sehen gab, oder wenigstens so zu tun, als sähe er’s nicht. Womöglich gehört es zur Pflicht des Diplomaten, solche Sachen zu sagen, wie er sie angeblich gesagt hat, oder sie nicht zu dementieren, wenn er sie nicht gesagt hat Womöglich schicken die höheren Mächte in Bonn den Diplomaten dorthin, wo er schuldig wird und überlassen ihn dann der Pein. Aber geben sie ihm zur Entschädigung dann wenigstens einen Posten, auf dem er sich wieder ehrlich machen kann?

Es gibt immerfort zwei Möglichkeiten: Entweder ist die Karriere dieses Diplomaten zu Ende, und wir hören nichts mehr vor. ihm, wobei wir freilich annehmen dürfen, daß es ihm in Deutschland nur halb so gut gefällt wie in Uganda. Oder wir sehen ihn bald auf einem Platz, der größere Bedeutung für die Bundesrepublik hat.

Und passiert dies, so hat es möglicherweise zwei Gründe: Entweder dankt Bonn dem Botschafter auf diese Weise dafür, daß er nicht dementiert, was er nicht gesagt hat. Oder die höheren Herren im "Auswärtigen" schlagen sich an die Brust: Wir haben den Dr. Ellerkmann überfordert, so daß er tatsächlich gesagt hat, was die Stimme Ugandas behauptete, und wir müssen ihm jetzt einen Posten geben, wo er ruhig das sagen kann, was er meint.

J.M-M.: Diplomatie und zwei Möglichkeiten

Man muß den Botschafter nicht ausbaden lassen, was die Regierung angerichtet hat. Dieser Satz gilt auf alle Fälle. Es sei denn, die Botschafterposten werden so verteilt: "Und hier hätten wir dann noch Uganda. Wer will hin? Ach, Sie, Herr Dr. Ellerkmann? Sie sagen, das wär’ ein netter Staat für Sie mit einem Präsidenten, der direkt ein Herzchen ist? Ab nach Uganda, und viel Vergnügen!"

Wie? Ich stellte mir das diplomatische Leben wie der kleine Moritz vor? Ja, wie soll ich mir’s denn dann vorstellen?